Reema Nubani

Plattform2026

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Reema Nubani, *thermal memory*, 2026; *janoub*, 2026; *shamal*, 2026; *birth: pending*, 2026. Photo: Finn Curry.

Reema Nubani, thermal memory, 2026; janoub, 2026; shamal, 2026; birth: pending, 2026. Photo: Finn Curry.

Reema Nubani, shamal, 2026. Spray paint on Cement, sand, aggregates, water, steel rods as screws, 53 × 100 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Reema Nubani, shamal, 2026. Spray paint on Cement, sand, aggregates, water, steel rods as screws, 53 × 100 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

In einer Version des traditionellen levantinischen Wiegenliedes „Yalla t-nam Rima“ singt die Erzählerin — gemeinhin als Mutter verstanden — zarte, beruhigende Worte, um ihre Tochter Rima in den Schlaf zu wiegen. An einem bestimmten Punkt jedoch besingt sie ihre Entführung und das Weggebrachtwerden fern von ihr. Diese Erzählung wird in birth: pending, einem Buch von Reema Nubani, das den Kern der für Plattform26 entwickelten Werkgruppe bildet, ausdrücklich aufgegriffen. Die Künstlerin, die ihren Vornamen mit dem Kind des Wiegenliedes teilt, untersucht die mütterliche Bindung als Metapher für ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrer Heimat Palästina, zerrissen zwischen Permanenz und Trennung.

Derzeit in Genf ansässig, stellt Nubani das poetische Schreiben ins Zentrum ihrer Praxis, aus dem Skulpturen, Installationen und Malereien hervorgehen. Worte werden zu Pinseln in einer Form konkreter Poesie, in der Symbolik, Abstraktion sowie mythische und alltägliche Bezüge dazu dienen, das Unsagbare zu artikulieren, dem Zerstörten Gestalt zu geben und eine emotionale, bewusst idealistische Beziehung zur Heimat auszudrücken.

Beim Durchblättern von birth: pending begegnet man einer Perspektive, die zwischen dem warmen, intimen Inneren des mütterlichen Bauches und der palästinensischen Landschaft oszilliert und einer vertrauten Parallele folgt — in den Worten von Fadwa Tuqan, „dieses Land ist eine Frau / in seinen Furchen und seinen Schössen“ (1). Diese ausgedehnte Metapher entfaltet sich in einer Abfolge symbolischer Bilder: Der Fötus wird von der Mutter getrennt, begegnet der kalten Härte der Aussenwelt und äussert schliesslich den Wunsch, „sich im Bauch der Mutter aufzulösen“ (2). Die Erzählung evoziert eine sich wandelnde Körper-Landschaft, die vom Ideal eines fruchtbaren, grünen Bodens zu einem Terrain übergeht, das nach dem Einbruch der Gewalt nur noch als grauer Beton und Ruine erscheint.

Neben dem Buch besetzen zwei Zementleinwände — shamal (Nord) und janoub (Süd) — die Ausstellungswände und bieten Innen- und Aussenansichten derselben Geografie und Geschichte. Die eine ruft eine blühende Natur hervor, die andere den Mutterleib als heiliges, poetisches Nest. Zement, ein wiederkehrendes Motiv in Nubanis Werk, steht zugleich für die dauerhafte Substanz, die grünes Land in Grau verwandelte, und für ein Symbol der Kontrolle durch Mauern und Checkpoints — Ausdruck einer Gegenwart, die von Gewalt, Enteignung und Besatzung geprägt ist.

Während emotionale und imaginäre Landschaften romantisch skizzieren, was Heimat sein könnte, kehrt der Beton im letzten Werk in Form eines rechteckigen Panels zurück, umgeben von einer Girlande aus auf Thermopapier gedruckten Bildern, die mit der Zeit verschwinden werden. Die Bilder variieren dasselbe Motiv des Schosses und erinnern an Ultraschallaufnahmen sowie kreisförmige uterine Symbole.

Das Wiegenlied, gesungen von einer mütterlichen, beruhigenden Stimme, verklingt über die verschiedenen Iterationen dieser Werkserie hinweg und konfrontiert uns mit einer tragischen Realität. In einer sinnlichen und zugleich scharfen Poesie spricht Nubani von Widerstand und Fragilität und hält uns in einem existenziellen und zutiefst persönlichen Bruch zwischen der Verpf lichtung, sich von der eigenen Heimat zu trennen, um zu überleben, und der Notwendigkeit zu bleiben, um der Auslöschung entgegenzuwirken.

Monica Unser
(Aus dem Französischen übersetzt)
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  1. Originalzitat aus dem Arabischen übersetzt von Mohammed Sawaie: „this land is a woman / in its furrows and wombs“. Fadwa Tuqan, „Hamza“, 1969. In The Tent Generations, Palestinian Poems, Banipal Books, London, 2022.
  2. Originalzitat aus birth: pending von Reema Nubani : „leave me to dissolve in my mother’s womb“.