„Rocks, Caves, Lakes, Fens, Bogs, Dens, and shades of death,
A Universe of death, which God by curse
Created evil, for evil only good,
Where all life dies, death lives, and Nature breeds,
Perverse, all monstrous, all prodigious things …“ (1)
Was an Ruinen fasziniert, ist ihre Distanz zur Gegenwart: Sie verweisen auf ein einst gelebtes Leben, das nur noch fragmentarisch zugänglich ist. In ihrer materiellen Abwesenheit verdichten sich Erinnerung, Verlust und zeitliche Tiefe zu Form.
In Lifelover steht die rationale, geometrisch präzise Konstruktion aus verkohltem Holz in Spannung zur immateriellen Geschichte des dort gelebten Lebens. Was entsteht, ist eine räumliche Kontur, die die Spuren vergangener Praktiken trägt, ohne sie zu reproduzieren.
Die Arbeit operiert mit unterschiedlichen architektonischen Begriffen. Ort erscheint als rationale, kartografische Ordnung, während Raum, wie Michel de Certeau schreibt, erst durch Praxis entsteht: „Space is a practiced place.“ (2) Bedeutung, und damit auch Sakralität, bildet sich durch Bewegung, Wiederholung, Ritual und Erinnerung. Eine Wohnung wird existenziell strukturiert durch alltägliche Formen der Hingabe, durch die Anordnung von Fotografien und Objekten, durch habituelle Gesten, die Orientierung und Kohärenz erzeugen.
Als architektonischer Plan präsentiert, übersetzt die Installation eine räumliche Konstellation in ein System aus Linien, Massverhältnissen und Strukturen. Der verbrannte Grundriss fungiert als materielles Residuum eines Raums, dessen Bedeutung aus Praxis hervorging und heute nur noch fragmentarisch fortbesteht. Darin erscheinen Symbole: Kreuze und Engelsf lügel. Während das Kreuz als ikonografisches Zeichen lesbar bleibt, behaupten die Flügel eine Präsenzform, die sich nicht vollständig in Symbolik auflösen lässt. In der christlichen Tradition markieren Engel Schwellen zwischen Sphären: zwischen Ordnung und Fall, Transzendenz und Verlust. Miltons Paradise Lost beschreibt ein „Universum des Todes“, einen Zustand, in dem Bewegung in Erstarrung umschlägt, in dem Leben vergeht und der Tod fortbesteht. Diese Vorstellung resoniert in Lifelover als Atmosphäre: als Imagination eines Raums, der seine salvatorische Ordnung verloren hat.
Der Titel, entlehnt der Band Lifelover, lässt sich im Kontext der Metal-Subkultur als reaktionär lesen. Als ironische und selbstreflexive Geste gedacht, wurde die Musik von Lifelover zunächst von der Kritik abgelehnt, da sie als zu weich und nicht genrekompatibel galt. Bei Simeon fungiert der Titel als Setzung, während der Raum selbst als Gegenbild operiert. Lebensbejahung erscheint als semantische Behauptung innerhalb einer Struktur des Verfalls: eine Geste der Vitalität, eingeschrieben in eine Landschaft aus Kollaps, Erosion und Stillstand. Raum wird zum Träger eines affektiven Zustands, in dem Vitalität als Begriff fortbesteht, während sich materiell eine Ästhetik des Zerfalls entfaltet.
Bei Milton unterliegt alles Irdische Veränderung, Verfall und Zeitlichkeit. Der Himmel hingegen erscheint als atemporaler Seinsmodus, als Zustand jenseits von Zeit, Alterung und Werden. Lifelover bleibt in die irdische Ordnung eingeschrieben. Die Arbeit legt Prozesse offen: Geschichte, Alterung, materielle Transformation, den physischen Zustand des verbrannten Holzes. Zeit manifestiert sich hier als Spur, als Einschreibung, als irreversible Veränderung. In diesem Sinn wird die Bejahung des Lebens zu einer Positionierung innerhalb einer unausweichlichen Prozesslogik – zu einem Akt semantischen Widerstands innerhalb materieller Entropie.
„All of the roses you planted have lost
Their touch and faded away.” (3)
Eleonora Bitterli
———