Körper in der Schwebe, in einer fallenden Bewegung, suggerieren entweder eine göttliche Erscheinung, eine Invasion des Himmels oder Spion*innen während des Abseilens. Es ist schwierig zu unterscheiden, ob wir uns in der Gegenwart von zwei Wesen befinden oder ob wir die Spaltung eines Wesens vor uns haben. Die Körper fliessen, sie scheinen in der Zeit eingefroren.
Die mit Strasssteinen besetzte Arbeit evoziert eine Vorstellungswelt des Pompes, eine Ästhetik des Spiels und der Künstlichkeit. Im Französischen hat Paillette [paillette] allerdings eine doppelte Bedeutung und weist eine dissonante Parallele auf: Während ihr Glitzern als ostentative und festliche Verzierung gelesen werden kann [Paillette], macht ihr militärisches Homonym sie zu einer Methode der Radartäuschung [Düppel]. Sowohl in ihrer dekorativen als auch in ihrer kriegerischen Verwendung verfügt die Paillette über die Fähigkeit, Entfernungen zu verdecken und Perspektiven zu vernichten. Die Inszenierung der beiden vom Künstler geformten Körper ist also die einer doppelten Beziehung. Zwischen Simulation und Repräsentation wirft Mission Glamouflage Fragen über das Wesen des Sturzes und mögliche multiple Identitäten auf. Bereits der Wunsch, sich anzunähern, beruht auf einer Täuschung: Wir wissen heute, dass die Anziehungskraft für das, was leuchtet, aus einer angeborenen Verschmelzung mit den Spiegelungen des Wassers resultiert. Marco Simaos Arbeit im MASI kann somit als Ausdruck einer Anti-Camouflage-Strategie betrachtet werden.
Die 100’000 Strasssteine, aus denen die Arbeit besteht, wurden zwar einzeln arrangiert. Die Ausdauer jedoch, die erforderlich war, um Mission Glamouflage herzustellen, verleiht ihr einen wahrhaft missionarischen Charakter. Die Zeitlichkeit und fast mechanische Wiederholbarkeit der Geste erinnern an die Handarbeit, welche die Grundlage von Marco Simaos Karriere bildet, und wir finden in ihr ein subversives Potential sowie eine dezidiert emanzipatorische Macht des Machens.
Übersetzung: Deborah Müller