Ein Klang kann fast ausschliesslich als Folge eines Ereignisses oder einer Ursache bestimmt werden: Wenn wir ein Geräusch hören, versuchen wir, seinen Ursprung zu definieren. Ebenso verführt unsere von Bilder geprägte Gesellschaft dazu, visuelle Entsprechungen abzurufen. Antoine Siron hinterfragt solche Zusammenhänge von Wahrnehmungsphänomenen wie Klang- und Bildspuren, die zum Verständnis unserer Realität beitragen.
Er findet Übereinstimmungen – beispielsweise beim Aufprall eines Balles auf dem Boden, wodurch ein scharfer, trockener Klang entsteht – und Abweichungen: So kontrastiert der tiefe, laute, kraftvolle Klang die Erscheinung vorbeifliegender Flugzeuge als winziger Punkt in der Ferne am Himmel. In diesem Ungleichgewicht oszilliert unsere Wahrnehmung, und solche Korrespondenzen und Verzerrungen hinterfragt Antoine Siron mit wissenschaftlicher Strenge.
Sirons Sonomorphies untersucht die Verbindung von Philosophie und Mathematik. Trotz der Absenz von jeglichen Geräuschen in der Installation, thematisiert jedes ihrer Elemente auf seine Weise den Klang: Hier verblasst der Klang-Ursprung einer scheinbar offensichtlichen Quelle, dort tritt das Verborgene in den Bereich des Sichtbaren. Das Ungewisse verbreitet sich in einem komplexen Spiel von Referenzen, metaphorischen Elementen und Zitaten. Das eine ruft nach dem anderen, das andere ruft nach dem einen in einem endlosen Kreis.
Antoine Siron (*1994) absolvierte an der Haute école d’art et de design Genève den Bachelor. Er lebt und arbeitet in Genf.