Ob Sand, Plastilin oder Glas – das Material ist ein zentrales Element in den Arbeiten von Wanda Nay. Im Vordergrund stehen aber nicht historische oder persönliche Konnotationen, sondern pragmatische Überlegungen. Die Künstlerin macht sich Materialeigenschaften zu Nutzen, um eine bestimmte Formensprache zu finden. Keine fixe Idee bestimmt die Arbeit von Wanda Nay, sondern das Zwischenspiel von Zufall und Prozesshaftigkeit: Im Atelier definiert sie bestimmte Grundelemente, die ihr beim Aufbau einer Ausstellung als stützende Struktur dienen und auf denen sie verschiedene Variationen durchspielt. Die Frage nach der Wechselbeziehung von Präsentation und Rezeption ist unmittelbarer Bestandteil ihrer Arbeit, etwa wenn sie Sockel als Ausgangslage für ihre Skulpturen verwendet. Die entstandenen Spalten und Unebenheiten bessert sie mit farbigem Plastilin aus und schafft aus dreidimensionalen Objekten bildhafte Fragmente. Auch in anderen Arbeiten der Künstlerin macht sich das Interesse für die Fläche und die Malerei bemerkbar. Sie erstellt Gipsabgüsse von Ölbildern und scannt Farbproben von Filzstiften, um grossformatige monochrome Bilder zu erzeugen. Ihre Farbpalette setzt sich aus den Farben zusammen, die von der Industrie bestimmt sind und auf dem Verkaufsregal stehen. Es sind die kräftigen Farben von Plastilin und Sprühdose, die sich nicht mischen lassen. Wo bleibt nun die Essenz der Malerei, wenn die Reproduktion zum Original wird und Farbpaletten sich auf industrielle Entscheidungen beschränken? Vielleicht gar nicht so weit weg, hinter dem nächsten Sandhaufen. – Charlotte Matter