Crew, 2025
Actress, 2025
FX, 2025
In ihren für Plattform25 entwickelten Arbeiten beschäftigt sich die Zürcher Künstlerin Thilda Bourqui mit dem (Schönheits-) Operationssaal als einem Ort medizinischer Performance. Sie richtet ihr Interesse auf die unterschiedlichen Beziehungen – zwischen Abneigung, Bedürfnis und Wunsch – die freiwillige oder unfreiwillige Patient*innen zu diesem Setting, seiner Infrastruktur, Ästhetik und letztlich seinem Personal entwickeln. Auf ihrem Hintergrund als Grafikerin aufbauend, kombiniert die Künstlerin Zeichnung, Text und Video zu einer Art digitalen Collagierung und nutzt das Medium der Skulptur, um die narrative Ebene in den Ausstellungsraum zu erweitern. Durch die Verbindung numerischer und physischer Elemente lädt ihre Arbeit das Publikum dazu ein, den verflochtenen Raum zwischen persönlicher Erfahrung, Pop- und Internetkultur sowie breiteren institutionellen Strukturen zu betrachten.
Die animierte Videoarbeit Crew (2025) zeigt vier stereotype Figuren, einen männlichen Chirurgen und drei weibliche Krankenschwestern, in medizinischer Kleidung. Alle sind mit übergrossen medizinischen Instrumenten ausgestattet – etwa einem Stethoskop, Skalpell oder einer Spritzte –, die sie wie Waffen und paradoxerweise zugleich wie Schutzschilder, leicht aggressiv, beziehungsweise defensiv bei sich tragen. Ähnlich wie die Charaktere in X-Men, dem US-Blockbuster aus den frühen 2000er Jahren, präsentiert sich die Gruppe als ein vereintes Team mit Superkräften. Die animierte Sequenz fungiert als Eröffnungsszene der darauffolgenden medizinischen Performance und zieht daher einen direkten Vergleich zwischen dem Operationssaal und einem Filmstudio: Ein beinahe filmisches, künstlich belichtetes Setting, in dem verschiedene Rollen einer bestimmten Auswahl von Schauspielerinnen zugewiesen werden, die – mit Hilfe einer Palette von Kostümen und Requisiten (etwa medizinischen Instrumenten) – sowohl präzise und zugleich repetitive Verfahren durchführen und miteinander (sowie mit den Patientinnen) in etablierter hierarchischer Weise interagieren. Die beinahe allegorisch anmutenden Figuren werden von einer medizinischen Lampe angeleitet, die die Rolle der Regie innehat. Eingebettet in die Ästhetik von Stop-Motion und Low-Tech-Produktion, bewegt sich Crew in einem Raum der Unvollkommenheit – ein früher Entwurf, eine unvollendete Komposition, ein noch wandelbares ungeschliffenes Artefakt. Der Prozess liegt offen, ein performativer Akt, der die Illusion eines abgeschlossenen filmischen Spektakels auflöst. Daneben übernimmt Actress (2025), eine übergrosse Thermometer-Skulptur, symbolisch die Rolle desder Patientenin, derdie oft objektiviert und auf seinihr Krankheitsbild reduziert wird, wodurch derdie eigentliche Protagonistin ausgelöscht wird. Schliesslich skizziert ein Storyboard, FX (2025), die potenzielle Fortsetzung des heroischen Films.
In ihrer neuesten Werkreihe reflektiert Bourqui über die Dramatisierung und Inszenierung medizinischer Eingriffe innerhalb zweier dominanter westlicher Institutionen, die beide oft dazu beitragen, ein Gefühl des Schreckens gegenüber Krankheitszuständen zu erzeugen: dem Krankenhaus und dem Kino. Gleichzeitig zieht sie eine Parallele zwischen dem filmischen und dem medizinischen Kampf (statt Heilung) gegen die Krankheit. Das Resultat ist ein Gesundheitssystem, in dem sich die Identität der Patientinnen auflöst und in dem derdie „Geheilte“ stets höher geschätzt wird als der*die „Kranke“.
Selma Meuli
Aus dem Englischen übersetzt