Anhand alltäglicher Gegenstände untersucht Raphael Bottazzini die Zeichensysteme unserer Gesellschaft. Durch leichte Eingriffe und die Verlagerung in den Ausstellungskontext werden teilweise paradoxe Strukturen offenbart. Diese Strategie könnte als pauschale Kritik missverstanden werden, doch geht es hier vielmehr um die spielerische Offenlegung von kulturell geprägten Normen. Der Künstler pflegt einen beinahe kulturanthropologischen Blick, indem er mit Materialien arbeitet, die unsere zeitgenössische Lebensart abbilden. Es entsteht ein poetisches Inventar des globalisierten Alltags, das stets die Grenze zwischen Original und Fälschung auslotet. Bottazzini erforscht mit einem Augenzwinkern die Bedeutung von gesellschaftlich definierten Normen der Ästhetik. Gleichzeitig geht er der Frage nach, inwiefern Objekte durch leichte Modifikationen an Eindeutigkeit verlieren und eine neue Symbolik erhalten. Damit bietet er mögliche Ansätze zur Entschlüsselung solcher Systeme und pointierte Anekdoten zu unserer modernen Lebenswelt. – Charlotte Matter