Sitara Abuzar Ghaznawi

Plattform2020

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Bookshelf 2 (empty, fragile), Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Bookshelf 2 (empty, fragile), Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Die dekorative Kulisse einer blühenden Tapete (wallpaper), die die Inszenierung eines leeren Bücherregals rahmt, evoziert mindestens zwei Ordnungen mentaler Räume. Zum einen die häuslichen Innenräume eines Vorstadthauses der Nachkriegszeit, zum anderen das algorithmische Interface eines Computerbildschirms. Ein semantisches Manöver, das die Flächigkeit des Büroarbeitsplatzes mit den vielfältigen Dimensionen des Rechenraums, mit den Tiefen und Falten der häuslichen Intimität kollabiert. In dieser sich überschneidenden, imaginären Architektur steht ein leeres Bücherregal, zu schwach, um ein Buch zu tragen. Durch den Bau einer dysfunktionalen und daher nutzlosen Struktur unternimmt Sitara Abuzar Ghaznawi einen Prozess der Entmystifizierung: Die würdevollen Konnotationen, die dem Bücherregal und dessen Inhalt durch die Geschichte der westlichen Moderne zugeschrieben werden, sind hier entlarvt und werden in Frage gestellt. Indem die Künstlerin das Bücherregal seiner Funktion entleert und zu einem dekorativen Accessoire macht, erinnert sie uns daran, dass dieses Objekt nicht nur als Behälter, sondern ebenso als Display von Kultur fungiert. Eine Vorrichtung, mithilfe der Wissen und Bildung als Ausdruck von Privilegien und Status ausgestellt werden. Die Verschmelzung von Wissen und Status wird ebenso durch das Rosenmuster akzuentiert, welches die Wand bedeckt – und als wiederkehrendes Motiv in den jüngsten Produktionen der Künstlerin auftritt. Bookshelf 2 (empty, fragile) ist denn in einen grösseren Werkkorpus eingeschrieben, der eine Reihe von blühenden Tapeten aufnimmt. Der Anblick einer solchen Litanei von Rosen fühlt sich an wie das Blättern im Musterbuch einer Polsterwerkstatt, das eine Reihe von Variationen desselben Musters vorschlägt. Die Tautologie operiert hier auf unterschiedlichen Ebenen: Die Rose akzentuiert das Muster, genauso wie das Muster eine Reihe von parallel stattfindenden institutionellen Ausstellungen der Künstlerin akzentuiert und eine obsessive Wiederholung erzeugt. Dennoch gibt es keine Wiederholung, bloss das Beharren darauf – sagte einst Gertrude Stein. Innerhalb der punktuellen und perforierenden Dimension des Beharrens – Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose [rose is a rose is a rose is a rose is a rose] –, verewigt in der fortwährenden Gegenwart eines Gedichtbandes.

Camilla Paolino

Übersetzung: Deborah Müller