Théa Giglio

Plattform2025

Sans titre (panneaux d’absorption), 2025
Akustik-Paneele
Dimensionen variabel

Zahlreiche Elemente prägen unsere Umgebung, ohne je Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Integriert in die Architektur, erfüllen sie ihre Funktion, ohne ihre Präsenz zu beanspruchen. In Ausstellungsräumen gehören Akustik-Paneele dazu: versteckt in Wänden oder Decken regulieren sie die Klanglandschaft, absorbieren Klänge und beobachten still ihre Umgebung, ohne je gesehen oder wahrgenommen zu werden. Präsent, aber diskret, funktional, aber sensibel – sie begleiten, ohne sich aufzudrängen. Ausgehend von diesen zurückhaltenden Oberflächen entwickelt Théa Giglio (lebt und arbeitet in Genf) ihre Installation für Plattform25. Mit einer subtilen Geste verschiebt sie die Blickrichtung: Was zuvor im Hintergrund die akustische Komponente anderer Werke regelte, wird hier selbst zum Werk.

Diese monochromen Paneele, aus unterschiedlichen Kontexten geborgen, dienten lange als stille Zeugen von Werken, die der Künstlerin besonders am Herzen liegen–ihr Material trägt noch die klanglichen Resonanzen der Ausstellung Travelling von Chantal Akerman im Jeu de Paume in Paris sowie zahlreicher Videoprojektionen im MAMCO in Genf. Mit dieser wertvollen Erinnerung wurden die Paneele ins CAN gebracht und dort neu installiert, wobei ihre akustisch-regulierende Funktion als künstlerischer Wert hervorgehoben wird.

Ausgehend von einem sensiblen Hinhören auf ihre Umgebung bringt Théa Giglio in ihrer Arbeit Objekte und Situationen zum Vorschein, die diskret existieren. Ihre Praxis beruht auf einer Aufmerksamkeit für periphere Formen und schlägt so alternative Formen der Erinnerung vor. Indem sie diesen Paneelen, die sich zuvor in die Architektur ihrer früheren Habitate einfügten, den Status von Kunstwerken verleiht, hinterfragt die Künstlerin nicht nur die Regime des Sichtbaren und des Sinnlichen in Ausstellungskontexten, sondern würdigt auch die unsichtbaren Elemente, die diese Räume bewohnen – seien es Klangpartikel oder visuell ausserhalb des Fokus liegende Komponenten – und uns einladen, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

In Anlehnung an die Überlegungen der amerikanischen Komponistin Pauline Oliveros kann aufmerksames Zuhören – im Gegensatz zum passiven Hören – zu einem verfeinerten Bewusstsein unserer Umgebungen entwickelt werden, bis hin zu ihrer Transformation ; unser Zuhören beeinflusst die Materie, die uns umgibt, und wird von ihr beeinflusst. Als deep listeners(1) absorbieren und regulieren Théa Giglios Werke die verschiedenen Klangpartikel ihrer Umgebung, aber auch die Leere, die Blicke und all die diskreten Elemente, die die Atmosphäre eines Ausstellungsraums ausmachen. Als diskrete, aber aufmerksame Präsenzen beeinflussen diese Werke ihr Umfeld durch ihre Absorptionskraft und eröffnen dabei einen Schwebezustand, in dem Zuhören als Form sensibler Aufmerksamkeit gegenüber der uns umgebenden unsichtbaren Poesie eingefordert wird.

Monica Unser
Aus dem Französischen übersetzt

(1) In Anlehnung an die von Pauline Oliveros definierte und in mehreren ihrer Schriften geförderte Praxis des „Deep Listening“. Siehe unter anderem Sonic Meditations (2022) und Quantum Listening (2024).