Rondi Park

Plattform2026

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Rondi Park, *the very first ever woman (who was a bear before) who probably is my great something mother, had to bear harsh diet of garlic and mugwort for 100days just for her future offspring to jump in the river, risking their life for what?*, 2025; *It was an ordinary summer day by the river. The sun was dropping, everything turned blue. Light stretched itself thin. My hand felt empty. I was looking at the car key dragging itself down to the water, to the river. ‘I’d rather die than lose my friend’s Mercedes Benz car key. I’d rather die than give up the current life given to me.’*, 2025; *shit happens sometimes :)*, 2025; *we all trapped!*, 2025; *Falling dooooown!,* 2025. Dimension variable. Photo: Finn Curry.

Rondi Park, the very first ever woman (who was a bear before) who probably is my great something mother, had to bear harsh diet of garlic and mugwort for 100days just for her future offspring to jump in the river, risking their life for what?, 2025; It was an ordinary summer day by the river. The sun was dropping, everything turned blue. Light stretched itself thin. My hand felt empty. I was looking at the car key dragging itself down to the water, to the river. ‘I’d rather die than lose my friend’s Mercedes Benz car key. I’d rather die than give up the current life given to me.’, 2025; shit happens sometimes :), 2025; we all trapped!, 2025; Falling dooooown!, 2025. Dimension variable. Photo: Finn Curry.

Rondi Park, *It was an ordinary summer day by the river. The sun was dropping, everything turned blue. Light stretched itself thin. My hand felt empty. I was looking at the car key dragging itself down to the water, to the river. ‘I’d rather die than lose my friend’s Mercedes Benz car key. I’d rather die than give up the current life given to me.’*, 2025. Gouache on canvas, 120 × 125 cm. Photo: Finn Curry.

Rondi Park, It was an ordinary summer day by the river. The sun was dropping, everything turned blue. Light stretched itself thin. My hand felt empty. I was looking at the car key dragging itself down to the water, to the river. ‘I’d rather die than lose my friend’s Mercedes Benz car key. I’d rather die than give up the current life given to me.’, 2025. Gouache on canvas, 120 × 125 cm. Photo: Finn Curry.

Rondi Park, *we all trapped!*, 2025. Doilies, wood, polymer clay, 30 × 40 × 30 cm. Photo: Finn Curry.

Rondi Park, we all trapped!, 2025. Doilies, wood, polymer clay, 30 × 40 × 30 cm. Photo: Finn Curry.

In Rondi Parks (*Seoul, Republik Korea) künstlerischer Praxis fungiert gelebte Erfahrung weniger als Fabel denn als Zündmoment. Scheinbar banale Ereignisse werden gedehnt, gebrochen und neu zusammengesetzt. Durch Zeichnung, Malerei, Installation, Textil, Skulptur und Performance transformieren sie sich zu Bedeutungssystemen, die Mythos, Ökonomie und Überleben berühren. Ihr Werk kehrt immer wieder zu jenen Momenten zurück, in denen das Persönliche mit überlieferten Erzählungen kollidiert; etwa mit nationalen Ursprungsmythen oder zeitgenössischen Narrativen, die von Konzernen produziert werden. Zwischen diesen Massstäben, dem Archaischen und dem Hypermodernen, verortet Park die Figur der Künstlerin als prekäre Existenz, die sich durch Instabilität, Verantwortung und den Druck navigiert, richtig entscheiden zu müssen, wenn die Einsätze irrational hoch erscheinen.

Man stelle sich einen Sommerabendspaziergang am Rhein vor. Das Tageslicht verblasst, eine bläuliche Stimmung liegt in der Luft, die letzte Wärme der Sonne ist noch spürbar. Die Hände fühlen sich leicht an, als man realisiert, dass etwas über die Kante gefallen ist. Ein Autoschlüssel, befestigt an einem kleinen Anhänger, beginnt seinen unumkehrbaren Sturz in das dunkle Wasser. Was folgt, ist nicht einfach Panik, sondern ein Bruch. Geräusch wird körperlich. Das Schaben von Metall auf Stein wird als Reibung im Nacken spürbar. Rationalität gerät ins Stocken (Erkennen, Unglauben und Angst) bis sie überlastet und in eine merkwürdige Ruhe kippt. In weniger als einer Sekunde erscheint eine ganze Zukunft gefährdet. Der Geist beobachtet sich selbst aus der Distanz, wie durch eine Glasscheibe hindurch, und sieht zu, wie ein Tag, eine Woche, ein Monat, ein Jahr zerfallen. Ein Moment, der von drei dringlichen Bedingungen bestimmt ist: Der Gegenstand gehört nicht dir, er trägt das Gewicht einer Luxusmarke, und er wird am nächsten Tag benötigt. Diese Tatsachen verwandeln den fallenden Schlüssel in eine potenzielle Katastrophe. Der Körper versteht, dass Handeln erforderlich ist.

Park behandelt diese Episode nicht als Bekenntnis, sondern als eine Art Diagnose. Warum fühlt es sich unausweichlich, ja sogar gerechtfertigt an, den eigenen Körper für ein Objekt zu riskieren? Warum erscheint der impulsive Sprung in kaltes Wasser als richtige Reaktion? Die Antwort liegt nicht im Schlüssel selbst, sondern in dem, was er erschliesst: Mobilität, Verlässlichkeit, sozialen Status, die Kontinuität eines sorgfältig konstruierten Lebens. Der Satz „I’ d rather die“ („Ich würde lieber sterben“) legt eine Logik offen, in der Bequemlichkeit ununterscheidbar von Überleben geworden ist. Smartphones, Autos, Ernährungssysteme und globale Vernetzung werden internalisiert als Erweiterungen des Selbst, als Organe getarnt, nicht als Entscheidungen.

In Parks Arbeiten erscheinen Marken als Strukturen, die Schutz und Identität versprechen und zugleich ihre Gewalt verdecken. Uns wird suggeriert, es gebe keine Alternative, als in ihre Strömungen einzutreten. Der Fluss wird zum Sinnbild dieses Glaubens. Ein Strom, in den man eintritt, weil Nicht-Eintreten sich wie Scheitern anfühlt. Kontrolle loszulassen, Verlust zu akzeptieren, erzeugt eine Unsicherheit, die kaum erträglich ist. Verantwortung wird von Systemen weg und auf individuelles Handeln verlagert: Du springst, du versuchst es, du beweist deine Loyalität gegenüber dem Leben, das du führst.

Die Künstlerin verwebt diesen modernen Zwang mit älteren Mythologien. Die Panik des Moments wirkt archaisch, als hallte sie eine uralte Prüfung wider. Generationen von Leiden kulminieren in einem Körper, der ins Wasser springt, um einen verlegten Autoschlüssel zu bergen. Und doch bleibt die Geste bedeutsam, weil sie sich mit Erzählungen von Mut, Intuition und moralischer Richtigkeit deckt. Nasse Kleidung, ein durchnässtes Telefon, ein Körper, der es versucht hat, werden zu Beweisen dafür, richtig gewählt zu haben. Ihr Beitrag zu Plattform26 fragt daher nicht, ob der Sprung in den Fluss erfolgreich war, sondern warum er sich unausweichlich anfühlte.

Diogo Pinto
(Aus dem Englischen übersetzt)