Paul Fritz & Melodu Lu

Plattform2026

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Paul Fritz & Melody Lu, *INWARDLY LOOKING*, 2026. Mixed media, Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Paul Fritz & Melody Lu, INWARDLY LOOKING, 2026. Mixed media, Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Paul Fritz & Melody Lu, *INWARDLY LOOKING*, 2026. Mixed media, Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Paul Fritz & Melody Lu, INWARDLY LOOKING, 2026. Mixed media, Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Paul Fritz & Melody Lu, *INWARDLY LOOKING*, 2026. Mixed media, Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Paul Fritz & Melody Lu, INWARDLY LOOKING, 2026. Mixed media, Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Das erste Kunstwerk, dem man im Gang zum Ausstellungsraum begegnet, ist von Paul Fritz & Melody Lu. Die beiden Künstler·innen mit Sitz im Kanton Waadt entwickeln jeweils eigenständige individuelle Praktiken und arbeiten zugleich als Duo an einem gemeinsamen Werkkomplex, der skulpturale Installationen und Video verbindet. Gemeinsam entwerfen sie fiktionale Welten, bevölkert von cartoonesken Figuren, die unter einer teilweise spielerischen Ästhetik eine präzise Auseinandersetzung mit sehr realen soziopolitischen Situationen ermöglichen. Das Absurde erzeugt dabei eine verschobene Atmosphäre und offenbart das Potenzial des Imaginären als Form einer freudvollen Resilienz gegenüber Defätismus.

Das bei Plattform26 präsentierte Werk bildet den letzten Teil einer 2024 begonnenen Werkserie, die von den Künstler·innen als ihre „Trilogie vom Ende der Welt“ bezeichnet wird. Darin verhandelt das Duo eine zeitgenössische Angst angesichts des Zustands der Welt mittels hybrider Installationen, in denen Massstäbe und Erzählungen verschwimmen. Für den Kontext von Plattform26 haben sich Fritz und Lu mit dem Übergangsritual einer Sicherheitskontrolle auseinandergesetzt. Obwohl die Szene vertraut erscheint, weist sie mehrere Verschiebungen auf: Ein Wächter mit maskottchenhaftem Kopf scheint eingeschlafen zu sein, die Röntgengeräte sind im Miniaturformat und auf einem Podest erhöht, und die Ansammlung von Kunststoffwannen am Ende der Förderbänder behindert einen reibungslosen Durchgang. Auf kleinen Bildschirmen zieht eine geordnete Prozession skurriler Objekte und unerwarteter Reliquien vorbei. Sie lassen auf die Präsenz von Wesen schliessen, die ihr Gepäck abgelegt haben, ohne der zivilen Pflicht nachzukommen, die Wannen an ihren Platz zurückzustellen. In dieser Welt zwischen Looney Tunes und gelebtem Alltag erscheint rationale Analyse zwecklos und macht einer Reihe von Fragen Platz: Wer sind diese Figuren, die den Scanner passieren? Welche Gefahr rechtfertigt ein solches Dispositiv? Und welchen Wert hat ein Kontrollsystem, wenn der zuständige Beamte eingeschlafen ist?

Die Bildsprache der Röntgentechnologie gehört zu einem spezifischen visuellen Regime, das der deutsche Autor und Filmemacher Harun Farocki 2004 als „operative Bilder“ (1) bezeichnete. Diese Bilder werden durch und für technische Entwicklungen – militärische, medizinische oder industrielle – produziert und übersteigen die menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten. Aus einer „geisterhaften“ Perspektive erfüllen sie eine präzise Funktion: Sie informieren jene Machtapparate, die sie hervorgebracht haben, und wirken am biopolitischen Projekt mit (2). Seit 2001 haben sich Kontrolltechnologien und Röntgenbildgebung als Reaktion auf sicherheitspolitische Imperative zunehmend im öffentlichen Raum verbreitet. Sie tragen zur Etablierung einer Norm öffentlicher Performanz bei, die sich freiwillig der Transparenz verschreibt. Diese Praxis, die Körper im Namen der Sicherheit von innen nach aussen kehrt, entscheidet zugleich darüber, wer den Test besteht und wer als opake Gefahr gilt (3).

In ihrem Werk jedoch offenbart der Mechanismus einen grundlegenden Fehler: Der überarbeitete Beamte schläft ein und macht den Kontrollprozess absurd. Dieses Versagen wirkt somit als eine Form des Widerstands gegen Soft Power in einer Zeit, in der Sicherheitsnarrative, häufig nationalistisch aufgeladen, zur Legitimierung von Gewaltakten instrumentalisiert werden. Indem Fritz und Lu die Fragilität des Systems in einer fiktionalen Atmosphäre sichtbar machen, verweisen sie auf die feine Grenze zwischen Sicherheit und Machtmissbrauch und lassen, während sie zugleich das mögliche Scheitern jener Systeme offenlegen, denen wir blind vertrauen, einen Hoffnungsschimmer aufscheinen: die Möglichkeit, auf die andere Seite zu gelangen, ohne dem Blick der Maschine ausgesetzt zu sein.

Monica Unser
(Aus dem Französischen übersetzt)
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  1. Harun Farocki, „Phantom Images“, Public, no 29, 2004, pp.12-22.
  2. Der Begriff „Biopolitik“ wurde von Michel Foucault in den 1970er-Jahren in verschiedenen Vorlesungen und Schriften entwickelt. Er bezeichnet Formen der Machtausübung, die das biologische Leben von Bevölkerungen zum Gegenstand des Regierens machen, mittels Dispositiven der Messung, Regulierung und Normalisierung, die auf die Optimierung und Verwaltung des kollektiven Lebens abzielen.
  3. Rachel Hall, „Terror and the female grotesque. Introducing Full-Body Scanners to U.S. Airports“, Feminist Surveillance Studies, Duke University Press, 2015, pp.127-149.