Michael Meier & Christophe Franz sind die Preisträger vom Nationale Suisse Kunstpreis 2013
Im Niemandsland einer Brache unter dem ehemaligen Autobahnzubringer Europabrücke in Zürich West stand eine verlotterte Tankstelle. Aus Holzplatten gebaut, merkte man beim Herantreten, dass es sich um eine künstliche Ruine handelte, der etwas Kulissenhaftes anhaftete. Die vom Künstlerduo Michael Meier und Christoph Franz für den Stadtparcours ‹Art and the City› realisierte Installation Tankstelle (2012) war eine modellhafte Rekonstruktion von Wirklichkeit, in der verschiedene Zeitlichkeiten und Geschichten suggeriert wurden. Die Ruine implizierte vorangegangene Zustände und liess den Betrachter oder die Betrachterin, trotz des verwendeten Materials, unsicher werden – war an dieser Stelle tatsächlich einmal eine Tankstelle gestanden?
Michael Meier und Christoph Franz realisieren seit dem gemeinsamen Studium in Raum- & Designstrategien an der Kunstuniversität Linz 2007 kollaborative Kunstprojekte. Ihre temporären Interventionen beschäftigen sich mit der Transformation des urbanen Raumes und mit dem Verhältnis von Kunst und alltäglicher Realität. Oftmals werden dabei Rahmenbedingungen und Konstanten einer Ausstellung selbst thematisiert. Mit ihren räumlichen Eingriffen lassen die beiden Künstler Zwischenräume im bekannten Stadtbild entstehen. Ihre Projekte haben durch das Ikonographische der Objekte etwas Zeichenhaftes. Diese sind eine Mischung aus Skulptur, Architektur und Bild. Die damit provozierten Schnittstellen fragen nach der spezifischen Nutzung, wie beispielsweise der Springbrunnen (2012) aus Holzplatten an den Swiss Art Awards oder das in Zürich aufgestellte Volksdenkmal (2011) mit integriertem Schlafplatz. Die Funktionen der Objekte sind bei Michael Meier und Christoph Franz meist nicht eindeutig zuzuordnen und haben etwas Triviales an sich.
Wie so oft machen die Künstler ihren spielerischen, offenen Umgang mit einer baulichen Anlage nun auch für PLATTFORM13 produktiv: Sie planen, den Kommandoraum des ewz-Unterwerks Selnau, der für das Publikum aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen wurde, durch die Bereitstellung einer Feuertreppe erneut zugänglich zu machen. – Ba Berger