Hello, is anyone home ?
Es wäre die Geschichte eines alten Horrorfilms von Dario Argento, oder vielmehr der Versuch eines Remakes. Es würde in den Bergen im Appenzellerland spielen, in der Frühlingssonne oder auf einer dicken Schneedecke, je nach Version. Es wäre die Geschichte einer jungen Frau, die das Postauto verpasst und in einer abgelegenen Hütte Zuflucht sucht. Es wäre die Geschichte eines Déjà-vu-Erlebnisses, eines Überlagerungseffekts. Es wäre die Geschichte einer Ermittlung, die im Sande verläuft. Es wäre die Geschichte von drei Freunden, die auf den Spuren des alten Films durch den Schnee stapfen. Es wäre die Geschichte einer wackeligen Kamera, die in der verschneiten Landschaft nach etwas zu suchen scheint, an dem sie sich festhalten kann. Es wäre die Geschichte eines mysteriösen und obsessiven Soundtracks, der von Claudio Simonetti komponiert wurde und von Windgeräuschen, Andeutungen von Dialogen und einem zunehmend keuchenden Atem überlagert wird. Es wäre die Geschichte eines Schneesturms. Es wäre die Geschichte einer Realität, die von der Fiktion eingeholt wird. Es wäre die Geschichte einer versäumten Handlung. Es wäre die Geschichte einer Freundin, die wie im Film vergeblich dem Bus hinterherläuft, den sie gerade verpasst hat. Es wäre die Geschichte von schwarzen Tannen und steilen Gipfeln, die im Schneesturm immer schlechter zu erkennen sind. Es wäre die Geschichte eines Hotels mit geschlossenen Fensterläden. Es wäre die Geschichte einer Bank, auf der man wartet. Es wäre die Geschichte eines Zufluchtsortes, den man nie wirklich findet.
Übersetzung: Plattform team
Photo credits: Guadalupe Ruiz