Mimmo Haraditiohadi

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From left to right:
Never change a winning horse, 2023
Zu neuen Ufern, 2024
© Claude Barrault

From left to right:
Never change a winning horse, 2023
Zu neuen Ufern, 2024
© Claude Barrault

From left to right:
Im Eis, 2024
Gut ist besser, besser ist gut, 2024
Herr Puntila und sein Knecht Matti (Nach Heinz Jost), 2024
Hangers (Portrait), 2024
Einer fur alle, alle für einen, 2023
© Claude Barrault

From left to right:
Im Eis, 2024
Gut ist besser, besser ist gut, 2024
Herr Puntila und sein Knecht Matti (Nach Heinz Jost), 2024
Hangers (Portrait), 2024
Einer fur alle, alle für einen, 2023
© Claude Barrault

Never change a winning horse, 2023
Zu neuen Ufern, 2024
Im Eis, 2024
Gut ist besser, besser ist gut, 2024
Herr Puntila und sein Knecht Matti (Nach Heinz Jost), 2024
Hangers (Portrait), 2024
Einer fur alle, alle für einen, 2023
Rodent Invader, 2024
Schiff (Senkrecht), 2024

Zwischen schwer lesbaren Gesichtsausdrücken, gestischen Details und Übermalungen, welche den vorhergehenden Moment noch erahnen lassen, treffen in Mimmo Haraditiohadis Arbeiten zeichnerische Komponenten auf kompromisslos gemalte Flächen. Seine Bilder gleichen Erzählungen, in denen Kleiderbügel an Nasen erinnern und Schiffe zu Gesichtern werden. Der Künstler spricht von Pareidolien, dem Phänomen, in dem wir Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Objekte zuschreiben. So spielt auch Haraditiohadis Arbeit mit versteckten Assoziationen und Referenzen, doch in seiner Malerei scheint kein Strich zufällig. Im Zentrum steht dabei eine Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der Repräsentation, der Symbolik und der Sprache.

Durch die fortlaufende Verschmelzung der Buchstaben e und t in der Spätantike entwickelte sich die heute unverkennbare Ligatur des &-Zeichens. Wegen seines häufigen Gebrauchs in der wirtschaftlichen Sprache wird das Et-Zeichen (lat. et) oftmals auch als “kaufmännisches und” bezeichnet. Während das Bindeglied in der Regel in prägnante Firmennamen einfliesst, beherbergt das Symbol in Im Eis in einer eisigen Winterlandschaft den Körper einer Robbe. Dem gegenüber steht mit einer weitaus flächigeren Malerei die Arbeit Herr Puntila und sein Knecht Matti (Nach Heinz Jost): die Geschichte eines Säufers, dessen Meinungsbildung sich im Rausch verändert. Es handelt sich um eine Wiederaufnahme eines Plakates des Schweizer Grafikers Heinz Jost zu einem Stück von Bertold Brecht im Berner Stadttheater.

Beziehungen zwischen den einzelnen Werken entstehen in den Räumlichkeiten des Kunstmuseum Appenzell auch durch einen Turnus von Blicken. So steht dem kritischen Lächeln von Haraditiohadis Vater in Gut ist besser, besser ist gut der frontale Blick eines Pferdes (Never change a winning horse) gegenüber, welches in einem ritterlichen Duell eine Niederlage erleidet. Als Indiz der äusserlichen Bedrohung dient dabei die Spitze einer Lanze, die das Pferd seitlich zu treffen scheint. Inmitten dieses Geschehens findet sich eine verschlafene Ratte wieder, welche der Gesamtsituation gegenüber ratlos zu sein scheint.

Repetitionen und Querreferenzen sind wiederkehrende Elemente in Haraditiohadis Malerei. So findet sich auch das Sujet eines Kreuzfahrtschiffes in mehreren Bildern wieder. Für Haraditiohadi ist es ein zweideutiges Symbol des Aufbruchs, welchem er mit gemischten Gefühlen gegenübersteht. Gleichzeitig erlauben die Boote, welche Haraditiohadi oftmals als Übermalungen für verworfene Bilder dienen, auch zu einem malerischen Neuanfang, wobei die zugrundeliegende Geschichte niemals gänzlich übermalbar scheint. Mit spielerischer Leichtigkeit entwendet der Maler in Schiff (Senkrecht) dem Frachter seine Schwerkraft und ändert seinen Kurs. Während die vertikalen Wellen eine Oberfläche aus Marmor erahnen lassen, nimmt der rote Mond die Rolle eines Auges ein, das Schiff wird zu einem Fenster, seine Konturen zu einem Gesicht.

Haraditiohadis Malerei ist spielerisch und komplex zugleich. Was wir auf den ersten Blick zu verstehen scheinen, wird sogleich wieder relativiert. Sujets werden wiederholt, referenzieren sich gegenseitig und nehmen Bezug zu Erzählungen aus unterschiedlichen Zeiten und vertrauten Symbolen. Dabei lassen Haraditiohadis Arbeiten ihre Deutung offen und erheben keinen Anspruch auf ein gemeingültiges Verständnis. Vielmehr illustriert die facettenreiche Bildsprache des Künstlers eine Ambiguität der Dinge und stellt die individuelle Deutungshoheit in Frage.

Marius Quiblier