Mélissa Rouvinet, die derzeit einen Master in Szenografie an der Manufacture de Lausanne absolviert, erforscht die Beziehung zwischen Körper und Raum aus einer föderativen und emanzipatorischen Perspektive. Ihre Arbeit für Plattform20 gliedert sich in zwei sich ergänzende Teile: Zum einen zeigt eine Videoprojektion im Massstab 1:1 eine Gruppe von Personen, die damit beschäftigt ist, auf einer Brache mithilfe von Balken ein pyramidenförmiges Gerüst zu bauen. Der Bedarf an Zusammenarbeit und Koordination erzeugt eine minimale und prekäre Choreographie, während die archetypische Form des Gerüsts auf die Idee eines stufenweisen Aufstiegs verweist. Unweit davon entfernt begrenzt eine Bodenmarkierung aus zu einem Halbkreis angeordneten, geometrischen Figuren einen symbolischen Raum am Fusse eines kleinen, gestickten Bildes an der Wand, das einen anthropomorphisch anmutenden Bären darstellt. Wie ein Amulett verkörpert diese totemistische und kriegerische, inmitten der Flammen kämpfende Figur einen schützenden und heilenden Anführer. Die auf dem Boden liegenden Figuren markieren den Ort des orchestra im antiken Theater. Zwischen dem Publikum und der Bühne platziert, fungierte der Chor als Vermittlung zwischen den Schauspielerinnen und den Zuschauerinnen, die den Ablauf der Handlung durch Lieder im Unisono mit Kommentaren versah. In einer Art Ritual, das sowohl die Belastbarkeit als auch die Stärke des Gemeinsamen beschwört, komponiert das Ensemble eine Gesangserzählung, deren Echo bei jedem Menschen unterschiedlich widerhallt.
Übersetzung: Deborah Müller