Matthias Liechti

Plattform2019

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Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children,
Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform19, 2019
© Nico Müller_P19

Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children,
Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform19, 2019
© Nico Müller_P19

Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children,
Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform19, 2019
© Nico Müller_P19

Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children,
Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform19, 2019
© Nico Müller_P19

Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children,
Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform19, 2019
© Nico Müller_P19

Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children,
Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform19, 2019
© Nico Müller_P19

Die Skulptur «Twelve Cinema Chairs for Six-year-old Children» zitiert das Kino als Heterotopie schlechthin: anderer Raum, Gegenort oder verwirklichte Utopie. Als individuelle ‘Verzauberungsmaschine’ ist es in der Lage, disparate Räume zeitgleich an einem einzigen Ort zu konzentrieren und Dinge zueinander in eine Beziehung zu setzen, ohne dass diese etwas miteinander zu tun haben müssen. Es werden Verbindungen geschaffen, wo eigentlich keine sind. Zugleich wirkt das Kino als sozialer Raum. Es versammelt ein Publikum im Hier und Jetzt und bildet eine Gemengelage unterschiedlicher Sichtweisen, die zunächst aufeinanderprallen und dann justiert und neuskaliert in eine Ordnung überführt werden. Stellt man sich Matthias Liechtis Skulptur nicht allein als abstrakte modulare Struktur vor, sondern als reale Anordnung, in die (fiktiv) 6-jährige Kinder gequetscht werden könnten, verliert sie ihre ursprüngliche Leichtigkeit. Die durch den Titel zudem implizierten, logischen Beziehungen zwischen Kindern und Kinosesseln und den Zahlen 6 und 12 verstärken das latent Unheimliche: Verbindungen werden geschaffen, wo eigentlich keine sind. Das transformatorische und gleichzeitig organisierende und normalisierende Potenzial kinoähnlicher Strukturen könnte – miteinander kombiniert – gefährlich werden. Die Bedrohung wird in Matthias Liechtis Armada aus roten Samtsesseln jedoch nicht offensichtlich vorgeführt, sondern klingt bloss als Möglichkeit an. Ausgehend von unserer zeitlich kondensierten und räumlich geschichteten Gegenwart entwirft der Künstler modellhafte Szenarien und abweichende Topoï, die Betrachter*innen zu einem Gedankenexperiment einladen. Als fantastische Katalysatoren führen diese in eine Welt, in der sich die gewohnte Perspektive kaum applizieren lässt und in welcher die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion in Auflösung begriffen sind.

Text von Deborah Müller