Kelly Tissot greift Elemente auf, die mit dem Ruralen assoziiert werden, veredelt sie und macht sie zur Grundlage ihrer Arbeit. Ausgehend von dem Wunsch, die Natur zu ent-romantisieren, stehen ihre Arbeiten im Gegensatz zu der pastoralen Ikonographie, die im Westen traditionell mit dem Leben auf dem Land assoziiert wird. Dieser Art von Erzählung setzt sie allerdings keine dokumentarische Sichtweise entgegen. Indem sie diese Elemente rekontextualisiert (indem sie ‘Skulpturen macht’), lenkt sie deren Funktion um und bietet sie für neue Erzählungen an. Ebenso zeigt ihre fotografische Arbeit eine gewisse Umkehrung des Dekors gegenüber dem Klischee des Ruralen und beteiligt sich an einer Erneuerung des mit der Natur in Verbindung gebrachten Bezugsrahmens, oder genauer gesagt mit der Natur-Kultur-Relation, deren Dreh- und Angelpunkt die Idee des Ruralen bildet. Kelly Tissot erkundet auf diese Weise die Reibungen – die Reibereien zwischen Welten, die als dichotomisch wahrgenommen werden: jene der Fiktion und der Realität, des Wilden und des Zivilisierten und des Veralteten und des Unveränderlichen.
Die Verwendung räumlicher Elemente, die im ästhetischen Vokabular der Künstlerin immer wieder auftauchen, suggeriert eine Hinterfragung unserer Konstruktion von Realität. Kategorisieren bedeutet, verständlich zu machen, buchstäblich zu unterscheiden. Ihre Stücke sind als erzählerische Meilensteine für eine noch zu schreibende Geschichte zu verstehen, eine Neuerfindung, die sich von einem einschränkenden Bezugsrahmen befreit.
Die Installation zeigt zwei Reproduktionen von Vorrichtungen zum Aufstapeln von Brennholz. Neben der Anwendung einer Technologie der räumlichen Strukturierung verweisen sowohl die ursprüngliche Verwendung des Objekts als auch das gewählte Material auf einen Prozess der Domestizierung. Diese beiden Objekte stehen im Dialog mit den zwei auf Metall montierten Fotografien, welche die Künstlerin in ihrer Heimatregion abgelichtet hat.
Übersetzung: Deborah Müller