Mariana Tilly

Plattform2022

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HITTING IN THE MATERIAL WORLD (I, II, III), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

HITTING IN THE MATERIAL WORLD (I, II, III), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

HITTING IN THE MATERIAL WORLD (I, II, III), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

HITTING IN THE MATERIAL WORLD (I, II, III), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

HITTING IN THE MATERIAL WORLD (I, II, III), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

HITTING IN THE MATERIAL WORLD (I, II, III), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

Für die Ausstellung Plattform22 präsentiert Mariana Tilly eine Serie dreier Selbstporträts mit dem Titel HITTING IN THE MATERIAL WORLD. Wie der Titel andeutet, thematisiert die Künstlerin damit die Geschichte eines Moments, die Umschreibung eines Gefühls und nicht lediglich eine Darstellung ihrer selbst. Der Titel der Installation bezieht sich auf das Musikalbum Living in the material world von George Harrison aus dem Jahr 1973 und den darauf basierten Dokumentarfilm (2011) über Harrisons Leben, für den Martin Scorsese Regie führte. Das Plakat des Dokumentarfilms zeigt ein Porträt des jungen Harrison, der von den Schultern abwärts unter Wasser steht. Auf dem linken Gemälde scheint die Künstlerin zwar nicht im Wasser, sondern vielmehr in tiefe Dunkelheit getaucht, beleuchtet von sanftem Mondlicht. Eine Lumineszenz, die an die Werke der Malerin Nina Childress erinnert, die Tilly bewundert und von der sie sich inspirieren liess. Auch auf dem rechten Bild ist eines der zentralen Elemente das Licht, das hier wiederum eine warme Atmosphäre vermittelt. Vielleicht erzählt das Bild von einer Sommerdämmerung, einer materiellen und artefaktischen Welt jenseits des Gemäldes, auf dem der Blick der Porträtierten ruht.

Es ist, als würde die Künstlerin in dieser Serie von einer ausserkörperlichen Erfahrung erzählen, in der sie sich ausserhalb ihrer Kleidung, oberhalb ihres Körpers wiederfindet und sich selbst beobachtet, wobei sie sich ihres Daseins in der Welt mehr denn je bewusst wird. Eine materielle Welt, die das Gewicht der Vergangenheit, der Traditionen und Religionen, der Spielregeln und der Geschlechterkonstruktionen sowie der Ungleichheiten der Macht und der Kolonialgeschichte in sich trägt.

Tatsächlich verstärkt das Gemälde auf dem Boden den Gedanken, sich zu distanzieren und über die eigene Rolle in der Gesellschaft nachzudenken. Ein Herauszoomen aus dem eigenen Mikrokosmos, um einen Blick auf den Makrokosmos zu werfen. Was wir sehen, ist ein Frauenanzug, der auf einem Bett liegt und beinahe einer offiziellen Uniform gleicht, ein Zeichen der Macht, ein Zeichen der Arbeit, ein Zeichen der Adaption und vielleicht der Männlichkeit (was auch immer das bedeutet). Mariana Tilly hat keine Antwort darauf, wie wir am sinnvollsten mit einer Gesellschaft umgehen, die aus repressiven, paternalistischen Systemen besteht, aber sie bringt uns dazu, darüber nachzudenken, was es bedeutet, in dieser materiellen Welt zu leben und dass sie als junge Künstlerin manchmal eine Uniform tragen muss, um ihren eigenen Standpunkt zu vermitteln.

Noemi Pfister

Photo credits: Guadalupe Ruiz