Das Werk von Kathrin Affentranger setzt sich anhand von Zeichnung, Skulptur und Installation besonders mit der Linie auseinander. Mit einfachen Formen und rohen Materialien (Holz, Metall, Papier) interpellieren ihre Arbeiten den Blick des Betrachters, da eine konstante Hin- und Herbewegung zwischen Fläche und Raum provoziert wird. Es ist ein spielerischer Umgang mit Perspektiven, Orientierung und Gleichgewicht.
Einen leicht verschobenen Blick auf die geometrischen Formen der Minimalisten richtend, zwischen Desillusionierung und low-tech Skizze, schafft die Künstlerin Volumen mit maximaler Vereinfachung, nur durch Kanten bestimmt, schattenhafte Präsenzen. Die Feinheit der Strukturen wird durch ihren prekären Zustand betont. Da sie von fragilen Elementen abhängig sind – an die Wand gelehnt, durch Stützen gehalten oder auf eine verhältnismässig zu kleine Basis gestellt – riskieren sie immer, durch eine Geste zu viel ausser Kraft gesetzt zu werden und zusammen zu fallen.
Die physischen Eigenschaften des Materials (Gewicht, Gleichgewicht, Widerstand) werden in diesem 'Spiel der Gegensätze' hervorgehoben und agieren auf die Körperlichkeit des Betrachters, der eingeladen wird, zur Wahrnehmung des Werkes aktiv zu werden und verschiedene Standpunkte einzunehmen. Die anscheinend formal unvollendete Skulptur und ihre skizzenhafte Erscheinung ist nur ein Teil der Arbeit. Sie soll in der Vorstellung des Zuschauers ergänzt und in gewisser Weise weiterentwickelt werden.
Die Werke von Kathrin Affentranger sind daher nicht eindeutig, sondern jeder Arbeit wohnt eine Variabilität inne und enthält somit eine Vielzahl von potenziellen Skulpturen, die sich im Moment der Werkerfahrung aktualisiert. – Italien Vuille