Jean-Marie Fahy

Plattform2023

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Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Steam Bath (écran total), 2023

Jean-Marie Fahys künstlerische Praxis ist eine Praxis des Webens. Er bringt Fäden unterschiedlicher Materialität und Couleur zusammen, um sie zu einem gemeinsamen Neuen zu verweben und durch die Verbindung sowohl vielschichtiger als auch widerstandsfähiger zu machen. Das Motiv der figurativen Kompositionen in Steam Bath (écran total) bilden Darstellungen entkleideter Körpern, die sich am Strand sonnen und vergnügen. Diese treffen auf kunsthistorische Figuren wie dem heiligen Sebastian, der seit der klassischen Renaissance wiederholt mit homoerotischem Begehren in Verbindungen gebracht wird. Anstatt nach Spektakularität im Kunstgegenstand oder der eigenen künstlerischen Praxis zu streben, interessiert sich Jean-Marie für die im gesellschaftlichen Umgang mit Bildern und deren Reproduktion inhärenten Machtverhältnisse. Welche Körper und welche Geschichten werden wo und wie abgebildet und gelangen so in das kollektive Bewusstsein und die Geschichtsschreibung? Wie haben sich (mehrheitsgesellschaftlich akzeptierte) Darstellungen von Männlichkeiten und insbesondere des nackten männlich gelesenen Körpers im Laufe der Zeit verändert?

Das Medium der Zeichnung trifft in Steam Bath (écran total) auf jenes der Jacquard-Textilweberei, welche wiederum durch eine performative Intervention am Abend der Ausstellungseröffnung aktiviert wird. Hinter diesen Formgebungen verbergen sich nicht zuletzt Überlegungen zum ökonomischen Status eines Kunstwerkes sowie dessen Auswirkungen auf die Materialität des Objektes. Die absolute Fragilität des als Unikat illustrierten Seidenpapiers scheint sich einer markorientierten Reproduzierbarkeit entziehen zu wollen, wohingegen das daraus abgeleitete industriell hergestellte Textil unlimitiert vervielfältigt werden kann. Beim für die Entwicklung der Industrialisierung in Europa wichtigen Herstellungsverfahren der Jacquard verschwimmt die Grenze zwischen dem Wert des Produktes als Kunstobjekt oder als pures Handelsgut innerhalb eines kapitalistischen Weltmarktes. Ebenso, so scheint Jean-Marie aufzuzeigen, versticken auch im zeitgenössischen Kunstschaffen die Grenzen zwischen aufgezwungener Marktorientiertheit und davon unabhängigen Praktiken immer mehr.

Selma Meuli

Seidenpapier, Farbstift, Jacquard, Bügeleisenbrett

Photo credits: Margot Sparkes