Gemma Ushengewe

Plattform2024

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From left to right:
Mimmo Haraditiohadi, Schiff (Senkrecht), 2024
Gemma Ushengewe, Désir d’opacité, 2024
© Claude Barrault

From left to right:
Mimmo Haraditiohadi, Schiff (Senkrecht), 2024
Gemma Ushengewe, Désir d’opacité, 2024
© Claude Barrault

Désir d’opacité, 2024
© Claude Barrault

Désir d’opacité, 2024
© Claude Barrault

Désir d’opacité, 2024
© Claude Barrault

Désir d’opacité, 2024
© Claude Barrault

Désir d’opacité, 2024

Die Umrisse der Projektionen, die von Gemma Ushengewes raumgreifenden Installation Désir d’opacité (dt. Wunsch nach Opazität) ausgehen, sind gewollt teilweise unscharf. Die Textpassagen und figurativen Darstellungen, die sich auf den Wänden des Ausstellungsraumes abzeichnen, entziehen sich der Kontrolle eines starren und normativen Blicks, verändern je nach Lichteinfall ihre Konturen und Ausprägungen. Die kontrastreichen Schatten greifen Gemma Ushengewes persönliches Verhältnis zu in der Mehrheitsgesellschaft gängigen Identitätsdiskursen auf. Sie spiegeln das Bedürfnis wider, sich von der Politik der Kapitalisierung von Identitäten, welche Kategorisierungen und Reduzierungen produzieren – im Englischen tokenization – zu befreien. Gemma Ushengewe sucht mit der eigenen künstlerischen Praxis nach möglichen Fluchtwegen aus der Norm, hin zu einem neuen Umgang mit sozialen und politischen Hierarchien sowie mit der Vielschichtigkeit der eigenen Identität. –Was hier auf dem Spiel zu stehen scheint, ist die Entwicklung einer eigenen Ästhetik der Resistenz.

Für die Arbeit Désir d’opacité von Bedeutung sind dabei sowohl der Begriff der Transparenz als auch jener der Opazität. Wie Édouard Glissant in seinem Discours Antillais 13 (1981) bemerkt, stellt die Transparenz eine der Grundbedingungen der Mehrheitsgesellschaft dar. Sie ermögliche es hegemonialen Kulturen zu verstehen und zu akzeptieren, sei aber gleichzeitig auch Grund, Andersartiges zu vergleichen, zu werten, zu exotisieren und zu überwachen. In der raumgreifenden Installation verweigert es Gemma Ushengewe, die Codes der Dominierenden zu verwenden, und setzt somit der Transparenz des Plexiglases die Opazität der Schatten gegenüber. Vor diesem Hintergrund und in beinahe bedrohlich grünes Licht getaucht, wird das Opake zu dem, was nicht ganz greifbar und dadurch auch nicht reduzierbar ist. Das Undurchsichtige wird als vibrierende Haltung erkennbar, den vielschichtigen und komplexen Facetten und Eigenschaften einer sich stets verändernden Identität Raum und Handlungsmacht zu geben und letztendlich neue Beziehungen zwischen den Subjekten zu fordern.

Selma Meuli