Ein Schimmer zieht uns an, getrübt durch das Blatt Papier, das ihn bedeckt.
Ein Afterimage bezeichnet die Spur, die durch den direkten Kontakt der Netzhaut mit Licht entsteht: Man wendet den Blick ab, und das Bild der Lichtquelle bleibt für einige Sekunden in unserem Gesichtsfeld eingeschrieben. Hier, vor Estéfana Román Matesanz’ A Flick to Stop the Ball in Mid-Flight, sind unsere Augen geschützt, und dennoch nehmen wir im Zentrum des Lichtkegels einen Fleck wahr, schwer erkennbar, beinahe lesbar. Look! Wenn das Licht brennt, dann ist jemand hier gewesen.
Die Installation nimmt die Form eines Fotostudios an, und die beleuchtete Illustration ist von einer archivierten Backstage-Aufnahme inspiriert. Die Künstlerin lädt uns in jene Kulissen ein, die eigentlich im Verborgenen bleiben sollen. Nur ein träumerischer Geist findet einen Grund, sich dort aufzuhalten, sich für das zu interessieren, was dem eigentlichen Spektakel vorausgeht, für ein verfallenes Gebäude. „Er findet einen Ort des Verweilens in dieser Welt der aufgerissenen Decken“ (1). Nichts daran ist gespenstisch, die Szene ist nicht verflucht: Wir befinden uns in einem Dazwischen, einem Raum, in dem sich die Imagination in Momenten der Tagträumerei entfaltet.
Dank der Beleuchtung bleibt die Kontur der lebensgrossen Zeichnung selbst dann klar, wenn sie uns den Rücken zuwendet. Ohne zu blenden, führt uns das Licht bei der Entschlüsselung des Geheimnisses, ohne jedoch die Lust an der Suche zu zerstören. Die wenigen Post-its an der Wand sind unleserlich, sie zwingen uns loszulassen und die gelben Akzente zu geniessen, die sie dem überwiegend grauen Bild hinzufügen. Was auf der ursprünglichen Fotografie ein florales Motiv war, verschmutzt nun die Wand. Übrig bleiben nur noch der Schatten eines Fusses und einer Brille. Die Objekte gehen in einem Raum auf, der seiner Subjekte und seines Kontexts entleert ist.
Obwohl die Backstage-Räume offensichtlich verlassen sind, ist die Präsenz der Menschen, die sich hier aufgehalten haben, nahezu spürbar. Am Boden lassen sich Spuren dieses Vorübergehens erkennen: einige Flecken, ein zerknülltes Papier, ein einzelner Schuh. So belassen, vielleicht vergessen, gewinnen die Objekte ihre Autonomie zurück. Von Geschichte und Funktion entleert, werden sie auf ihre Materialität reduziert und lassen so ihr ästhetisches und poetisches Potenzial hervortreten.
Jeder Blick hinterlässt einen anderen Eindruck, und je länger man diese Objekte fixiert, desto mehr spielt einem die Wahrnehmung Streiche, oder vielmehr, desto intensiver lassen sich die Spiele von Farben und Texturen geniessen, die sich darbieten. Man könnte sich vorstellen, die Komposition sei ein Produkt des Zufalls, ein kleines Wunder infolge eines Windstosses oder des Zeitverlaufs. Ein einfaches Objekt verwandelt sich in eine Skulptur, die sich in ein Stillleben verwandelt, das sich in ein Ensemble abstrakter Formen verwandelt, das sich in eine farbige Unschärfe auflöst, und so weiter. Von jeder Narration und Funktion befreit, wecken diese Objekte die schlichte Lust am Sehen als sinnlicher Erfahrung, eine Freude, die den Blick sättigt.
Die Kulissen erscheinen hier als Durchgangsraum, „als formbares Milieu“ (2), was der Installation eine eher poetische als nostalgische Anmutung verleiht. Ein imaginärer und zugleich greifbarer Ort, eine Art Afterimage jenes Eindrucks, in dem der Raum der Künstlerin nicht als Bühne einer Erzählung erschien, sondern als Material, das sich formen lässt. Wir befinden uns hinter den Kulissen, also geniessen wir die Rückseite der Szene, ohne um jeden Preis ein Spektakel zu erwarten. Die Backstages fungieren als „Zwischenwelt, in der sich Traum und Wirklichkeit durchdringen“3. Hier entfaltet sich die Lust an den trivialsten Details, von der Spur in der rissigen Wand bis zum zerknüllten Papier.
Flavia Vuagniaux
(Aus dem Französischen übersetzt)
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