Das der zeitgenössischen Malerei entgegengebrachte, wachsende Interesse fällt zusammen mit dem explosionsartigen Anstieg neuer digitaler Technologien, welche die Verbreitung von Bildern durch verschiedene soziale Netzwerke verstärken. Durch die Integration dieser Mechanismen ist diese aber gerade angesichts der Problematiken, vor die uns eine zunehmend mediatisierte Welt stellt, zu einem Raum des Widerstands geworden. Elise Corpataux schafft einen solchen Raum durch ihre Malerei. Das Motiv des Sonnenuntergangs – Archetyp eines Entzückung hervorrufenden Schauspiels – wird auf Vignetten wiederholt dargestellt, angeordnet in einem Gitter, das jeder Narration entbehrt. Diese Anordnung in einem stets unvollständigen Gitter weist auf eine bestimmte Bewegung hin, eine Zeit des Bildstroms durch sukzessives Hochladen dieser sich zwar insgesamt ähnelnden, aber nie völlig identischen Bilder. Der Wiederholungseffekt löst eher Überdruss als Verzauberung aus. Das Gemälde selbst ist in diesen sozialen Netzwerken gegenwärtig, abstrahiert zu einem einfachen Bildschirminhalt, der sein materielles, ihm Körper und Massstab verleihendes Skelett verloren hat. Es zirkuliert in einer Geschwindigkeit konstanter Aktualität und wird selbst zum Inhalt, der sich dauernd von allein wiederholt Das Stilmittel des Sonnenuntergangs erlaubt, die Malerei wieder in der Welt des Körperlichen – ausserhalb einer digitalisierten Existenz – zu verankern. Mit aufrichtiger Überzeugung vom menschlichen Gefühl handelnd, löst sie sich von einer subversiven Ironie, die sich Marketingstrategen zu eigen gemacht haben. Ohne sich der Naivität zu entziehen, schreibt sie sich in eine bestimmte Form körperlicher Subversion ein und akzeptiert dabei in kindlicher Weise einseitige Werte wie die Sentimentalität.
[Übersetzt aus dem Französischen]