Paris Paris, 2023
Auf einigen Brücken in Paris ist aus der Ferne ein goldener Schimmer zu sehen. Dabei handelt es sich nicht um Goldfarbe oder Blattgold, sondern um zehntausende Vorhängeschlösser, die von Paaren angebracht wurden, die damit ihre ewige Verbundenheit symbolisieren wollen.
Diese Vorhängeschlösser werden jedoch nicht ewig dort bleiben. Irgendwann werden sie rosten und abfallen, oder von der Stadtverwaltung mit einer grossen Zange durchtrennt. Dies ist in der Regel der Fall, da das Gewicht der Vorhängeschlösser so gross ist, dass es die Stabilität der Brücken schwächt und ihre Langlebigkeit gefährden kann.
Dieses Bild verdeutlicht den Unterschied zwischen Fantasie und Realität. Für manche Menschen und im speziellen Fall der französischen Hauptstadt könnte sogar vom Paris-Syndrom gesprochen werden, d. h. vom kulturellen und psychischen Schock, der durch eine Diskrepanz zwischen dem Fantasiebild der Stadt des Lichts und ihrer hyperurbanen Realität hervorgerufen wird.
In der Performance Paris Paris versuchen sich zwei Personen über drei Tage hinweg mit einer Einwegkamera in der Hand in der französischen Hauptstadt zu finden, mit der einzigen Anweisung, jedes Mal ein Foto zu machen, wenn sie das echte und authentische Gefühl erfahren, dass die andere Person jeden Moment in der Szenerie auftauchen wird.
Alle ihre Bewegungen in der Stadt sind somit bestimmt durch ihre Vorfreude und Fantasie, sich zu treffen. Dies ermöglicht es uns, einen Moment der absoluten Hoffnung wahrzunehmen und mit der Performance, über die Zufälligkeit nachzudenken, die jeder Begegnung und Erfahrung zugrunde liegt, und so das übliche Protokoll der Zeit widerlegt
Die Bilder, die aus dieser Erfahrung resultieren und innerhalb des Videos zusammengeschnitten wurden, dokumentieren ein Beinahe, ein Fast, einen Moment voller Potential und hoffnungsvoller Erwartung.
Unter anderen Vorzeichen hätte die Performance Paris Paris auch von Künstler und Kuratorin durchgeführt werden können. In diesem Szenario hätte die Begegnung über ihre Rollen in einem institutionellen Rahmen informiert, die Performativität ihres Austauschs dargestellt sowie die Hoffnungen, welche sie beide auf ihre potenzielle, vielleicht sogar ewige Beziehung projizieren, beschrieben.
Julie Marmet (Übersetzung P23)
72-Stunden-Performance, Text, HD-Video (5'10'')
Photo credits: Margot Sparkes