Auf den ersten Blick meint man sie schon zu kennen, die scheinbar typischen Inhalte der Fotografien von traditionellen schweizerischen Volksfesten. Hier wäscht sich nach einem anstrengenden Gang ein Schwinger das Gesicht am Brunnen der Schwingarena, dort freuen sich trachtenbekleidete Besucher auf das bevorstehende Spektakel. Die provisorisch eingerichteten Verkaufsstände auf frischgemähten Kornfeldern zeugen ebenso von der Kurzlebigkeit der Veranstaltungen wie die flüchtig montierten, prätentiösen Werbebanner bekannter schweizerischer Konsumgüter, deren Versprechen ebenso improvisiert anmuten, wie die Gesamterscheinung der Festgelände. In diesem Umfeld von angeblich volksnahen, auf Tradition und Geschichte verweisenden Veranstaltungen sind es die vermeintlich unauffälligen Handlungen und kleinen Gesten der Protagonisten in David Suters Fotografien, die fernab jeglicher Inszenierung sein persönliches Bekenntnis der Dokumentation Schweizer Kulturevents auszeichnen. Suters Blick richtet sich auf das, was ohne Aufhebens geschieht und unserer Aufmerksamkeit aufgrund der ritualisierten Abläufe solcher Events entgleitet. Im Spannungsfeld moderner, zeitgenössischer Einflüsse auf die Kulturevents und deren historischer Tradition sensibilisieren Suters Fotografien für das, was inhaltlich den Begriff der Volksfeste determiniert und die eigentliche traditionelle Verankerung solcher ausmacht: Die Auseinandersetzung mit ihren Teilnehmern, dem Volk.
Neben der Fotografie bilden Videoarbeiten den zweiten Pfeiler des künstlerischen Schaffens von David Suter. Seine Diplomarbeit an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign mit dem Titel Prime Tower ist eine 43-minütige filmische Arbeit, die in zwei Projektionen aufgeteilt ist. In der einen sieht man den Künstler, wie er auf dem Waldboden sitzend auf ein Objekt blickt, das an einen Baum angebracht ist. In der anderen Projektion wird das Objekt gezeigt. Ein Vogelhaus aus Holz, das formal exakt dem Prime Tower der Stadt Zürich in verkleinerter Fassung entspricht. Suters Intention liegt in einer symbolischen Geste der Wiedergutmachung. Den Vögeln, die zu Hunderten den Tod an den Glasscheiben des Towers finden, soll der Nachbau als Behausung dienen. Der Film zeigt den Künstler, wie er ohne Kontrolle über den Ausgang seines Experiments dabei zusehen muss, wie sein grosszügiges Geschenk ignoriert wird. – Andreas Matte