Daniel Drabek

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Daniel Drabek, *Parliament*, 2025; *Untold jokes*, 2025; *Comedy*, 2025; *Tragedy*, 2025. Photo: Finn Curry.

Daniel Drabek, Parliament, 2025; Untold jokes, 2025; Comedy, 2025; Tragedy, 2025. Photo: Finn Curry.

Daniel Drabek, *Parliament* (Detail), 2025. Ceramic, chamotte, silicone, wood, mdf, 36 × 270 × 73 cm. Photo: Finn Curry.

Daniel Drabek, Parliament (Detail), 2025. Ceramic, chamotte, silicone, wood, mdf, 36 × 270 × 73 cm. Photo: Finn Curry.

Daniel Drabek, *Untold jokes*, 2025. Clown nose prop, sheriff’s star prop, 9 × 7 × 5 cm. Photo: Finn Curry.

Daniel Drabek, Untold jokes, 2025. Clown nose prop, sheriff’s star prop, 9 × 7 × 5 cm. Photo: Finn Curry.

Spielzeuge, Medien und Produkte, die sich an Jungen richten, fungieren als Werkzeuge emotionaler und verhaltensbezogener Prägung. Sie versprechen Erregung, während sie zugleich leise Vorstellungen von Männlichkeit, Wert und Selbstbild formen. Diese Objekte akkumulieren sich als inneres Material, aufgenommen, bevor Sprache entsteht, und fortwirkend als Denkgewohnheiten. In Daniel Drabeks Praxis kehren diese Materialien als mit Erinnerung und Projektion aufgeladene psychische Residuen zurück, die frühe Identifikationen und Fantasien in sich tragen und Begehren bis ins Erwachsenenalter organisieren. Wenn der Künstler Mike Kelley über seine eigenen Arbeiten sprach, betonte er, dass seine spielzeugbasierten Konstruktionen keine nostalgischen Monumente seien, sondern „etwas, das ein Erwachsener gemacht hat“, und stellte damit die Vorstellung infrage, Stofftiere oder Bastelmaterialien stünden automatisch für Unschuld oder Sentimentalität. Auch Drabek konstruiert Räume und Figuren, die in einem Zustand verlängerter Adoleszenz verharren. Man kann hier von einer Form des arrested development sprechen, einer Entwicklung, die in sich selbst zurückschleift.

Drabeks Verwendung von Clipart fungiert als zeitgenössische Form des Readymades. Von Autorschaft und Affekt entleert, wirkt Clipart als visuelle Kurzschrift, die früh über Bildschirme, Software und Werbung erlernt und internalisiert wird, lange bevor sie bewusst gelesen werden kann. Diese Bilder zirkulieren als vorgefertigte Symbole, entworfen für sofortige Lesbarkeit und reibungslose Kommunikation, die Komplexität in konsumierbare Zeichen übersetzen. In Drabeks Arbeiten erscheint Clipart als Residuum dieser visuellen Konditionierung. Die Zeichen sind generisch, vertraut und emotional leer.

In den gezeigten Arbeiten verdichtet sich diese Logik in drei Registern: Institution, Emblem und Diagramm:
Parliament (2025) modelliert politische Ordnung als Form, als gebogene, amphitheatralische Struktur aus seriell gesetzten Elementen, die an Sitzreihen, Ränge und Repräsentation erinnert. Gerade weil das Objekt als lesbare Architektur auftritt, kippt es in eine Karikatur des Politischen. Macht erscheint nicht als Diskurs oder Handlung, sondern als geronnene Anordnung, als System, das auch ohne Subjekte weiter funktioniert.
Untold Jokes (2025) operiert mit einer minimalen, aber präzisen Verschiebung. Der Sheriffstern, ein Emblem von Autorität, wird durch die Clownsnase zugleich lächerlich und unheimlich. Mehr als ein erzählter Witz, wird das beinah zufällige Arrangement ein Zeichen, das sich selbst entwertet, ein Requisit. Ordnung und Komik liegen nicht nebeneinander, sondern im selben Objekt, als trüge jedes Symbol von Kontrolle bereits die Bedingungen seiner eigenen Parodie in sich.
Mit Comedy und Tragedy (2025) wird die klassische Semantik von Komödie und Tragödie in die Bildlogik der Statistik überführt. Zwei Marionettenfiguren formen zwei Pfeile, eine Bewegung nach oben, eine nach unten. Aufstieg und Absturz erscheinen als vertraute Grammatik von Finanzdiagrammen, Indikatoren und ökonomischen Kurven. Doch diese Diagramme sind erschöpft. Die Pfeile bestehen aus schlaffen Gliedern, Schnüren und fragmentierten Körperteilen, als hätte das System der Bewertung den Körper bereits verbraucht und in ein reines Richtungszeichen verwandelt. Die Gegensätze Komödie und Tragödie erscheinen hier als zwei standardisierte Modi derselben Struktur: Plus und Minus, Gewinn und Verlust, Erfolg und Scheitern als automatisierte Affektformen, die Wahrnehmung und Begehren organisieren, bevor sie überhaupt sprachlich werden.

Drabeks Arbeiten formieren Bilder als ikonische Zeichenrelationen. Im Zwischenraum von Komik und Unbehagen entstehen schematische Konfigurationen, in denen Machtstrukturen, affektive Prägungen und visuelle Konditionierungen als formale Ordnungen sichtbar werden. Die Groteske fungiert dabei als Bildmodus, in dem Bedeutung strukturell organisiert wird.

Eleonora Bitterli