Wenn in den Zeichnungen von Emilie Ding aus dem Jahr 2007 natürliche Gesteinsformationen in Kontrast zur menschlichen Existenz standen, bedrohlich und inspirierend schön zugleich, so zeichnen sich die Blätter aus den Jahren 2008/2009 durch eine zunehmende Geometrisierung aus. Diese Verlagerung spiegelt sich auch in den Betonskulpturen, mit denen Ding seit einiger Zeit parallel zum zeichnerischen Werk arbeitet. Die visuellen Erscheinungsformen mögen sich verändert haben; das zentrale Thema der Arbeiten ist geblieben. Noch immer steht für Emilie Ding auf der einen Seite die menschliche Existenz – disparat und bedroht in ihrer Vereinzelung – der sie auf der anderen Seite Gebilde entgegen setzt, die eben diese Existenz auf verschiedene Weise übersteigen und damit in Frage stellen. Sei es durch die blosse Massivität und Grösse der Betonskulpturen oder durch die sich dem Unendlichen annähernden Serialität der Zeichnungen und graphischen Blätter. Indem die Betonskulpturen auf den jeweiligen Ausstellungsort reagieren, fügen sie sich trotz ihrer Künstlichkeit scheinbar natürlich in den bestehenden Raum ein. Während die Skulpturen ganz konkret auch technische Aspekte unserer Lebenswelt aufgreifen, bewegt sich Emilie Ding in ihren Zeichnungen auf einer abstrakteren, geistigen Ebene. – Reto Thüring