Das zentrale Medium von Lara Dâmaso ist der Körper. Hier setzt sie ihre Erforschung des expressiven, therapeutischen und politischen Potentials der Stimme fort. Sie ist mehr als ein Werkzeug zur Verkündigung des Intellekts, da ihre Aktivierung eng mit jener des Körpers verbunden ist; sie stellt eine Schwingungsverbindung her, die mehr mit der sinnlichen Erfahrung als mit dem Verstand zu tun hat. Auf diese Weise umgeht die Künstlerin die Machtstrukturen, die durch den disziplinierten Gebrauch der Stimme verkörpert werden.
Lara Dâmaso interessiert sich für das Lamento als kathartische und befreiende weibliche Praxis. Ausgehend von ihrer eigenen persönlichen Geschichte nähert sie sich dem Fado als Ausdruck von saudade – einem portugiesischen Wort, das unleicht zu übersetzen ist und Melancholie, Nostalgie und Hoffnung mit der diffusen Idee von Exil, Sehnsucht und Bedauern in Verbindung bringt. Als Tochter portugiesischer Migrant*innen widerhallt in ihm die Nostalgie eines idealisierten Herkunftslandes. Das hypnotische Schmachten erkundet diese süsse körperliche und geistige Einsamkeit, die Küste und die feuchten Klippen reagieren auf die Gesangsimprovisationen. Durch Wiederholung und Improvisation wird der Körper zu einem Behälter für seine eigene Bewegung und tritt in einer langsamen Drift in einen Dialog mit seiner unmittelbaren Umgebung.
Übersetzung: Deborah Müller