Das Projekt von Cassidy Toner dreht sich um eine bestimmte Vorstellung von Performanz. Die Figur eines Hundes in Gestalt eines menschlichen Körpers, die dem Betrachter trotzt und –sollte sich dieser zu sehr nähern– in sich zusammensinkt, ist ein Modell der Verweigerung von Performanz und somit bewusste Nicht-Darbietung. Die latente Präsenz der Figur weist auf die jeder Ausstellung innewohnende Notwendigkeit der Darbietung hin. Wenn sie vor Schüchternheit, Angst oder Müdigkeit einsinkt, nimmt sie ihre persönlichen Unzulänglichkeiten ermattet hin, enttäuscht ihre eigenen Erwartungen wie jene des Betrachters. Auch die Präsenz der Künstlerin Sara Ursina Sjölin durch eine Videoarbeit ist ein Akt, Grenzen zu verwischen, ohne sie aufzulösen. Durch das ‚Einschleusen‘ einer anderen Künstlerin in eine Ausstellung, deren Künstler*innen durch eine Jury ausgewählt wurden, verstösst Cassidy Toner gegen die vorgegebenen Rollen und agiert grenzüberschreitend. Sie tritt hier ohne Mandat und ohne Legitimation auf, fügt den zwölf bereits Auserwählten noch eine weitere Künstlerin hinzu, die den mit der Ausstellung Plattform verbundenen, fortan gefeierten Helvetia Kunstpreis ̶ infolge Einschätzung ihres Potenzials ̶ davontragen könnte, wer weiss? Indem die beiden Arbeiten neue Räume und Antwortmöglichkeiten eröffnen, sind sie Versuche zur Klärung einer neuen Logik von Handlungsbewusstsein. Im Raum eines kollektiven Handlungsbewusstseins zeigt das Projekt von Cassidy Toner eine diskrete, aber wirksame Form von Nonkonformität und Nicht-Kooperation, ohne jedoch ein Akt performativen Widerstands zu sein. Um Bartleby von Herman Melville zu zitieren, handelt es sich hierbei um eine Art des «I would prefer not to», eine anregende Transgressionserfahrung.
[Übersetzt aus dem Französischen]