Wie einige Künstler mit fotografischer Ausbildung, ist Bleta Jahaj darum bemüht, die Fesseln der Fotografie zu sprengen, um neue Wege des Ausdrucks und der Dokumentation von Realität zu untersuchen. Die lyrischen Werke der Künstlerin faszinieren durch ihr befremdendes Eigenleben. Sie sind auf ein persönliches Referenzsystem aufgebaut, welches Richtungspunkte aufzeigt, den Aufbau des Systems aber kaschiert. Ihre Werke sprechen von Geschichte, Dogmen und Erotik, welche tief mit persönlichen Erfahrungen verwoben sind. Dieses künstlerische Bewusstsein verbirgt sich in Jahajs Arbeiten hinter der glatten Oberfläche von Glas, den mit Gummifaden überspannten Keramikobjekten und den eklektischen Fotografien. Im Jahr 2011 zeigte Jahaj einen Glashelm, der von einem professionellen Glasbläser angefertigt wurde. Einerseits ist der Helm eine Anlehnung an einen Trojanischen Kriegsschutz, andererseits repräsentiert das Glas Zerbrechlichkeit und Eleganz. Um die visuelle Kraft des Helmes zu intensivieren, fotografierte sie das Objekt zudem in popigem Discolicht der 1980er Jahre. Für die Diplomausstellung der Zürcher Hochschule der Künste liess Bleta Jahaj 2012 in Zusammenarbeit mit Andreas Selg zwei Stoffbahnen von der Decke herab in gewellte Betonfüsse spannen. Diese Betonsockel in Kombination mit dem wallenden, halbtransparenten Textil zeugen ebenso wie der Glashelm von der Leidenschaft der Künstlerin für präzis eingesetzte Materialien. Die Eleganz ihrer Ästhetik könnte als weibliche Verkörperung verstanden werden; viel wichtiger erscheint jedoch die Betonung des Physischen und Psychologischen in ihrer Arbeit zu sein – nicht nur in Bezug auf ihr Leben, sondern auf den natürlichen Kosmos unserer Welt und letztlich auf die Grundlagen jeder Existenz. – Larkin Erdmann