Gilles Jacots kleinformatige Malereien stehen hohen Metallregalen gegenüber. Die farbigen Bildwelten interagieren mit Gestellen, die mittels klarer Formen sowohl Design- als auch Industrieatmosphäre verströmen. Jacot fertigt alle Werke mit wenigen Ausnahmen selbst an; auch bei den Gestellen spielt er mit dem Anschein einer seriellen Produktion, bei näherer Betrachtung eröffnet sich jedoch rasch, dass es sich um Einzelstücke mit Eigenleben handelt: An Springfedern befestigte Figuren laden ein, sie vertikal am Metallgestell herunterrattern zu lassen, um sie im nächsten Moment wieder hochzufahren – sie folgen einem stets vorgegebenen Lauf, haben keine Ausweichmöglichkeiten. Die unten befestigten Stoffe eröffnen Bühnenassoziationen, die monochromen Gläser dienen als Orientierungspunkte und sind dekorative Elemente zugleich. Die Gestelle werden zu Schauplätzen, stellvertretend für ein grösseres, lineares System, das nach gewissen Spielregeln funktioniert.
Die sieben gleichformatigen Gemälde changieren zwischen abstrakt und narrativ. Inspiriert von sogenannten «Choose your own adventure»-Büchern, einem interaktiven Buchtypus aus den 1970er-Jahren, wo Leserinnen die Wahl zwischen verschiedenen Handlungseinheiten gegeben wird, will Jacot den Betrachterinnen eine ähnliche Illusion aufzeigen: Wir meinen, frei über unser Handeln bestimmen zu können und alle Möglichkeiten offen zu haben, dabei sind wir in der westlichen «Chancengesellschaft» weit weniger unabhängig. In seinen symbolisch überladenen Bildern fügen sich einzelne Elemente zu einer offenen Narration zusammen und vermischen sich mit Erinnerungen an Kinderbücher bis schlechte Horrorfilme. Gleichzeitig verweisen abstrakte Zeichen auf übergeordnete Zusammenhänge und Orientierungssysteme, von denen wir letztlich abhängig sind.
Gilles Jacot (*1990) absolvierte den Bachelor an der Zürcher Hochschule der Künste. Er lebt und arbeitet in Zürich.