<a href="https://www.martinjakob.cIm Werk von Martin Jakob werden die Nebenschauplätze zu Hauptdarstellern gekürt. Leere, Zwischenräume oder unsichtbare Prozesse werden dadurch wahrnehmbar gemacht. Jakob hatte 2010 in einem leerstehenden Raum mehrere Parkettlagen übereinander gehäuft (Parquet flottant). Für den Heizkörper sägte er dessen exakten Umriss aus, so dass sich die Schichten bis zu einer scheinbar willkürlich gewählten Höhe ungehindert stapeln konnten. Sie stoppten genau dort, wo der Künstler mit seiner Körpergrösse exakt bis zur Decke hineinpassen würde. Der Zwischenraum oder die Leere wird somit zum Platzhalter für Jakob. Mit dieser neu geschaffenen spürbaren Masseinheit spielt das Werk von Jakob an das von Le Corbusier zwischen 1942 und 1955 entwickelte Proportions-System an. Mit dem ‹Modulor› wollte Le Corbusier der Architektur wieder ein menschliches Mass verleihen.
Für seine Bachelorarbeit arbeitete Jakob an einer Skulptur mit Material, das er im Ausstellungsraum in Sierre zusammengetragen hatte. Die fertige Holzskulptur transportierte er daraufhin mit der Bahn ins Centre d’Art de Neuchâtel, wo er sie im Gang während der Dauer der Sierrer Diplomschau platzierte. Wollte man die fertige Arbeit sehen, so musste man den ursprünglichen Herstellungsprozess in Form einer Reise bis nach Neuchâtel nachvollziehen. Das Bewusstmachen einer räumlichen Trennung verdeutlichte Jakob auch in seiner Arbeit Sempervirent – Beyond the Timberline (2012) auf der Belalp. Das als UNESCO Welterbe geschützte Gebiet rund um den Aletschgletscher zerschneiden Skilifte, die das Gebiet jenseits der Baumgrenze mit demjenigen unterhalb verbindet. Jakob setzte Tannenbäume in die Sessel und liess sie so in den Raum oberhalb der Grenze fahren – sozusagen als fremde Boten einer anderen Welt. Für Chaise (2009) zeichnete Jakob das Auseinandernehmen eines Stuhles und das anschliessende identische Wiederzusammensetzen auf Video auf. Gäbe es die Dokumentation des Prozesses nicht, so würde man keinen Unterschied zwischen dem Vorher und Nachher erkennen können, obwohl dazwischen die vollständige Zerlegung in unbrauchbare Teilstücke stattgefunden hatte. Der schöpferische Aspekt, der auch dem funktionalen Endprodukt innewohnt, wird uns dadurch vor Augen geführt. – Jeannette Weissh">www.martinjakob.ch