Im Werk Hauskatze von Tiphanie Kim Mall folgen wir über einen Zeitraum von fast sechs Monaten dem Alltag ihrer Katze, die mit einer Kamera ausgestattet wurde. Sprünge auf Möbelstücke, Blicke aus dem Fenster, die morgendliche Fütterung: Dass sich Mensch und Tier den Alltag teilen, wird neben den direkten Interaktionen, besonders in jenen Momenten deutlich, in denen die Katze die Künstlerin bei der Arbeit im Atelier beobachtet. Die gezeigte Umgebung und einzelnen Raumfragmente nehmen wir aus der Perspektive der Katze wahr. Ihre weissen Schnurrhaare im Bildausschnitt dienen mithin als stetiges Indiz, dass wir der Blickrichtung des eigensinnigen Tieres folgen, das Dynamik und Tempo innerhalb der einzelnen Sequenzen bestimmt. Wir begleiten sie auf den Streifzügen durch die Wohnung, denn die Kamera erlaubt uns, das Haustier zu überwachen und dabei dessen Verhaltensmuster nachzuvollziehen. Massgeblich für die Filmarbeiten von Tiphanie Kim Mall ist ihr unverhohlener, direkter Blick auf sich selbst – ein Blick, den die Künstlerin auch in diesem Kontext erneut auf sich zurückwirft. Die Kamera zeichnet sie in verschiedenen alltäglichen und vermeintlich intimen Momenten auf und führt vor Augen, wie nicht nur das Haustier, sondern auch die Künstlerin zur Beobachteten wird. So eröffnet Hauskatze eine ambivalente Gratwanderung zwischen Dokumentation und Observation. Vermittelt über einen Bildschirm an der Wand stellt sich uns also nicht zuletzt die Frage: Wer blickt hier eigentlich auf wen?
Marlene Bürgi