WIRELESS, 2023
Rodrigo Toro Madrids Praxis führt über die Wiederverwertung von fehlerhaften oder veralteten technologischen Objekten, denen der Künstler durch ein geschicktes Spiel mit mechanischer Zweckentfremdung ein zweites Leben – manchmal weit entfernt von ihrer ursprünglichen Funktion – verleiht.
Für Plattform23 präsentiert der Künstler eine Installation, die auf seinen jüngsten Recherchen zu den Eigenschaften von Klang und Licht basiert. Im Zentrum der Installation befindet sich ein Plattenspieler, der speziell für die Übertragung von Klangvariationen durch Lichtsignale konzipiert wurde. Das Licht ahmt die kreisförmige Bewegung des Plattenspielers nach und bewegt sich um 360° durch den Raum, wobei nur Bruchstücke der abgespielten Platte zu hören sind, wenn das Licht die Sensoren an den Lautsprechern kreuzt und so ein Signal vorübergehend in Klang umwandelt. Die Stimmen, die zwischen den Zeilen zu hören sind, stammen von einer Aufnahme, die der Künstler aus Sprachkursen gebrannt hat, als ob der Raum lernen wollte, mit uns zu kommunizieren. Der Ton, der buchstäblich ins Licht gesetzt und in den Raum ausgebreitet wird, zirkuliert von einem Lautsprecher zum anderen im inquisitorischen Rhythmus des Rundumlichts, das den Raum zu scannen scheint, während die Positionierung der Besucher*innen das Signal zu stören droht. Diese synästhetische Erfahrung, welche sowohl ergreifend als auch schwer fassbar zugleich ist, zeigt, dass die Art und Weise, wie wir Erinnerungen einzuprägen versuchen, unweigerlich fehlerhaft bleibt.
In halbdunkler Dämmer, die zeitweilig durch Licht- und Tonpräsenz gestört wird, beherbergt der Raum Zombie-Medien. Die okkulten Mechanismen dieses Lo-Fi-Hacks rufen eine poetische Faszination hervor, welche die Funktionalität der Maschinen unterläuft.
Colin Raynal (Übersetzung P23)
Modifizierter Plattenspieler, Drehlichter, verschiedene Verstärker, Lichtsensoren, vom Künstler gebrannte Schallplatte
Photo credits: Margot Sparkes