«Blue Whale Challenge» ist ein Online-Spiel
für junge Teenager: 50 Tage, 50 Aufgaben, die unter dem wachsamen Auge eines Paten oder einer Patin zu bewältigen sind. Die Jugendlichen betrachten das Spiel als ein neues, selbst erfundenes Übergangsritual, dessen Ziel sie sich schrittweise annähern und das als Ersatz zeremonieller Tattoos oder traditioneller Mutproben herhält. Mit dem ernüchternden Unterschied, dass die letzte Herausforderung der Selbstmord des Teilnehmenden ist. Das Ritual führt zu nichts anderem als dem Tod.
Shirin Yousefis Werke, welche sie speziell für die Ausstellung im Kunsthaus Langenthal konzipierte, setzen sich aus ephemeren Bestandteilen wie Gelatine, Geräuschen und Gerüchen zusammen und sind wie die Teenager des Spiels dazu verdammt, zu verschwinden. In den offenen Räumen des Gebäudes hören die Besucher*innen die letzten Zeugnisse derer, die das Spiel beendeten und bis zum Schluss gingen: Ein seltsamer, schwer fassbarer und abstrakter Ton klingt aus versteckten Lautsprechern. Weitere Evokationen der Jugendzeit schafft die Künstlerin mit Zigaretten und Kaugummis – sie erinnern an die Zeit, als der Geschmack des Kaugummis den der Zigarette übertünchen sollte. Auch die Rebellionsgeste des Rauchens fand in Abgrenzung zu den Erwachsenen statt, deren Gesten gleichzeitig dadurch imitiert wurden. Auch diese Erfahrungen fanden in geschlossenen Kreisen junger Menschen statt als Momente, die Habitus von Erwachsenen und diesbezügliche Projektionen aneignen und zugleich untergraben.
Yousefi geht aber über die materielle Auseinandersetzung mit jugendlichen Phänomenen hinaus, indem sie auf geokulturelle Grenzen verweist; auf die Länder, in denen solche Spiele
verboten sind, Menschen töten, oder ohne Anziehung bleiben. Weiter schwingen Fragen zu den Übergängen zwischen Realität und Repräsentation, Unterhaltung und echtem Tod in Yousefis Werk mit.
Shirin Yousefi (*1986) absolvierte an der École cantonale d’art de Lausanne den Master. Sie lebt und arbeitet in Lausanne