Dekolonial durch Vermächtnis, amerikanisiert durch Hip-Hop, diplomatisch und diplomiert durch die Genferseeregion, bewegt sich Sherian Mohammed Forster zwischen verschiedenen Sphären, die seine künstlerische Praxis speisen. Für Plattform20 schlägt er eine Installation vor, die ein Video und zwei Ringe in einer Vitrine umfasst. Nüchtern präsentiert, ist der erste der beiden Ringe von Ebenholz und Elfenbein umgeben und wird von einem Rubin überragt, einem auf dem afrikanischen Kontinent gewonnenen und in Genf in den 1980er Jahren verarbeiteten Material. Der Ring spiegelt damit die Identität des Künstlers wider, der Wurzeln in Ostafrika und der Schweiz hat. Da der Verkauf von Elfenbein mittlerweile illegal ist, wurde das Objekt in Absprache mit einem Juwelier für die Ausstellung halbamtlich erworben. Der zweite Ring zeigt eine Kugel, und zwar einen von einem christlichen Kreuz überragten Globus, der in einer «cheapen» und punkigen Wiederaneignung aus Silber und falschen, von Vivienne Westwood geschliffenen Diamanten angefertigt ist. Er wurde unter dem Gehäuse seines Nachbarn eingekeilt und kreuzweise nach unten gedreht, wobei er sowohl eine Medaille als auch deren Kehrseiten heraufbeschwört: die Funktion einer «empirischen Krücke», die von der dominanten christlichen Kultur für die Kolonisierung ausgeübt wird, sowie eine ihrer Voraussetzungen, die unbezahlte Arbeit von Frauen. Parallel dazu zeichnet ein in Äthiopien mit dem Handy aus dem Fenster eines 4×4 aufgenommenes Video die Route eines Bergbau- und Touristengebiets zwischen Vulkanen und Wüsten nach. Man sieht darin die gelbe Linie vorbeiziehen, die den Strassenrand markiert und wellenförmig zu den Unebenheiten des Geländes verläuft. Ein Stop-Motion ähnlicher Effekt betont die begleitende Dynamik der Daten-erfassung und der Kolonisierung durch das Bild. Letztendlich spielt die gesamte Installation mit der Elastizität des Wertes, der den Objekten zugeschrieben wird; sei es der sentimentale, symbolische oder Markt-Wert. Indem der Künstler das ihm zugewiesene Budget in den Ankauf und das Display der beiden Ringe investiert, spritzt er die von öffentlichen und privaten Stiftungen bereitgestellten Gelder wiederum in Rohstoffe und mimetisiert damit eine Suche nach dem Zufluchtswert. Durch einen Akt der Wiederaneignung und vergleichbar mit der Logik des «leak», materialisiert Sherian Mohammed Forster die Flucht vor einem Kapitalismus, der die vertraute Luft einer Schlange aufgreift, die sich selber in den Schwanz beisst. Es verhält sich wie dieses Sprichwort, das besagt, man solle sein Geld dort hinführen, wo der Mund ist. Hier wäre es mehr so, dass man seinen Mund zum Geld führt. Oder einfach das Geld dorthin zurückgibt, woher es stammt. Dennoch gewinne ich im Prozess des theoretischen Aufzeigens durch den Besitz auch Macht zurück, während ich durch das Narrativ Autorität zurückgewinne. «It’s like this saying that goes ‹put your money where your mouth is›. Here it would be more like putting your mouth back where your money is. Or simply to put the money back where it originates from. Yet, in the process of theoretically demonstrating, I’m also regaining power through ownership while regaining authority through the narrative.»
*Zitate des Künstlers
Übersetzung: Deborah Müller