Andrea Fortmann

Plattform2022

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you may want to reach out to, so what you’ll go then for, Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

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Technologie und Technik sind vertraute Wegbegleiterinnen, sie fügen sich nahtlos in unsere Gegenwart und unseren Alltag ein, prägen unsere Wahrnehmung, unsere Auseinandersetzung mit uns selbst und gleichsam der gesamten Welt. Das menschliche Verhalten gegenüber ebendieser Form technologisierter Lebensgestaltung ist Ausgangspunkt für Andrea Fortmanns künstlerisches Schaffen: Bildschirme und Smartphones sind Bildträger, gängige Anwendungssoftware dient der Bildfindung. Auf spielerisch-konkrete Art zieht Fortmann in technologischen Eigenheiten Rückschlüsse auf unser Verhalten und Verhältnis dazu. Die Künstlerin interessiert sich für Leer- und Fehlstellen, Doppelungen und Rahmungen, sowie für die Ambiguität, mit der wir den Bedienungsoberflächen, Touchscreens und Interfaces körperlich begegnen. Technik eignet sich als benutzer:innenfreundliches Mittel zum alltäglichen Zweck. Doch welchen Mitteln bedienen wir uns tatsächlich, wenn wir bedienen? Wieviel Handlungsspielraum haben wir, wenn wir handeln? Andrea Fortmann geht diesen Fragen nach und sucht mit selbstreflexiver Teilnahme, kritischer Offenheit und unbefangenem Humor nach neuen Perspektiven.

Die zweiteilige Werkgruppe besteht aus einem "Hauptkanal" – einem auf dem Boden aufliegenden Monitor (if you let this reach you, you may want to reach out to), sowie einer erweiterbaren Serie von "Sendungen", die in mehreren Ausstellungsräumen über Smartphones abgespielt werden (you may want to reach out to, so what you’ll go then for). Der Monitor zeigt eine 360°-Sicht auf die Künstlerin im Aussenraum. Mit einem externen Tastfeld werden wir aufgefordert, die Ansicht der rotierenden Mini-Erdkugel zu ändern. Der selbstinitiierte Wechsel zwischen "Nähe" und "Ferne" vermittelt den Eindruck eines aktiven Eingreifens. Obschon wir uns der entgegengereichten Hand nähern, versetzt uns diese einseitige Aktion zugleich in einen Modus der Apathie: Trotz vermeintlicher Interaktivität treffen wir im Zentrum der maximalmöglichen Nahansicht immer wieder auf dieselbe grob verpixelte, leere Hand. Gerahmt von skulptural abgetragenem Hartschaumstoff stellt sich auch bei den "Sendungen" die Frage nach Aktivität, Passivität und Konsequenz – nach Input und Output. Ihre hybride Präsenz als Monitor, Schalter und Verpackung bettet die Smartphones in die blaue Isolation ein und erweitert deren Oberfläche. Die Bildschirme, eigentlich berührungssensibel, schreiben uns durch die unveränderbare Wiedergabe alltäglicher Irritationsmomente in eine passive Rolle zu, doch stossen zur Reflektion unserer eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten an.

Marlene Bürgi

Photo credits: Guadalupe Ruiz