Raffaela Boss

Plattform2023

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moving places or about the scaled subject, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

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moving places or about the scaled subject, 2023

Raffaela Boss’ Arbeit bewegt sich nah an Körpern, durch den Körper.

Raffaela interessiert sich für Körper, die gehen, stehen, die Hände halten, den Kopf heben und den Blick senken, die den Arm ausstrecken, sich um die eigene Achse drehen, die die Zehen spreizen oder einen Fuss vor den anderen setzen – für deren Bewegungen, die sich durch die alltägliche Wiederholung zu beengenden Mustern fügen, oder für unerwartete Bewegungen, die dem normativen Narrativ widersprechen.

Mit moving places or about the scaled subject entwirft Raffaela ein ambivalentes Bild des in der Bewegung begriffenen Körpers. Es werden elf Personen vorgestellt, situiert in einer Unterführung des Hauptbahnhofs Zürich. Wie verhalten wir uns an solch öffentlichen Orten? So wie Julian, der mit aufgesetzten Kopfhörern ein Stück übt? Er singt laut. Zu laut? Oder wie Charlotte, die versunken summend an der Kamera vorbeischaut? Wir beobachten die collagierte Zusammenführung eines metonymischen Raumes der Öffentlichkeit mit Aufnahmen subtiler Bewegungen, die Momente der Privatheit oder der Intimität suggerieren. Raffaela verwickelt uns in ein wechselhaftes Spiel mit Nähe und Distanz, das auch auf der Ebene des Tons zum Ausdruck kommt, wenn das Rollen der Rolltreppe ebenso vordergründig erscheint wie das Schmatzen eines Kusses.

Raffaela’s Kamera fährt langsam, fast geisterhaft schleichend an den verschiedenen Szenarien vorbei, ohne je innezuhalten. Deren vermeintliche, fast überspitzte Teilnahmslosigkeit – die Kameraführung mutet dokumentarisch an – lässt die Perspektive der Kamera, die die Performerin filmt, oder den Blick, dem sie ausgesetzt ist, besonders in den Fokus treten. Wen schaut Priska an, wenn sie ihren Blick direkt in die Kamera richtet? Die Filmerin? Ein omnipräsentes Publikum? Mich? In der Doppelrolle als Künstlerin und Performerin untergräbt Raffaela die Linearität der Beziehung zwischen Kamera und Performer*in. Sie nähert sich den Personen mit vorsichtigem Blick, der diese nicht entblösst, sondern als Einladung verstanden werden soll, etwas mit ihr oder uns zu teilen.

Trotzdem bleibt ein Zweifel bestehen: Denn Details in Montage und Schnitt stellen anfängliche Vermutungen auf eine Endlosschleife oder One-Shot-Szene als irrtümlich heraus. Mit an Täuschung grenzenden Imitationen, die aber immer schon als solche ausgewiesen werden, fragt Raffaela auch nach Strategien der Narration und der Bildproduktion an sich.

Raffaela Boss lädt zehn Personen ein – manche sind eng Befreundete, andere nur flüchtige Begegnungen – , um bei moving places or about the scaled subject mitzuwirken. In ihrem Studio in Basel filmt Raffaela die Performer*innen vor einem Green-Screen. Sie sollen ihre Alltagskleidung tragen und sich so vor der Kamera bewegen, wie sie sich am wohlsten fühlen. Es gibt keine weiteren Handlungsanweisungen.

Antonia Rebekka Truninger

Performer:innen: Charlotte Horn, Sven Gex, Emma Müller-Morungen, Olaf Tavares, Julian Elias Bächtold, Priska Morger, Susi Hinz, Marcus Karkhof, Hans Peter Marti, Yann Slattery, Raffaela Boss

Kamera: Linus Weber; Tontechnik und Sounddesign: Jonas Huldi; Unterstützung bei Postproduktion: Linus Weber, Martina Jung; Assistenz: Azur Sabic

Unterstützt durch die Abteilung Kultur Basel-Stadt

Photo credits: Margot Sparkes