Das Bedürfnis zu sammeln, liegt seit jeher in der Natur des Menschen. Gleichzeitig ist es Gründungstopos jener Institutionen, die wir heute als Museen erfahren. Dass in diesem Zusammen- hang nicht nur grosse Wertschätzung bedeuten- den Kunstwerken, sondern auch profanen Alltagsgegenständen entgegengebracht wird, veranschaulicht der stets florierende Objektkult und menschliche Drang, das Vergangene mittels Artefakten festzuhalten. Ebendiese Brücke zwischen der Vergangenheit und Gegenwart schlagen auch die Werke von Paulo Wirz, mit denen er die gesellschaftliche Bedeutung von symbolisch aufgeladenen Objekten eingehend befragt. Das Triptychon Embarcação (Watercraft) besteht aus drei grossen Türen aus grünlasiertem Holz, die in den Raum hineinragen. Kleinere Aussparungen geben den Blick auf wildes Unkraut frei. Diese unscheinbaren, aber säkularen Strukturen, wie Betten, Schränke oder Fenster, die in den Arbeiten von Paulo Wirz oft wiederkehren, sind in unserem ritualisierten Alltag fest verankert und erlauben uns, eine persönliche Beziehung zu ihnen aufzubauen. Wir essen, warten, träumen und ruhen uns auf ihnen aus, wir interagieren mit ihnen und räumen ihnen einen Platz in unserem Leben ein. Ähnlich einem Alchemisten transformiert Paulo Wirz die von ihm verwendeten Materialien und macht uns auf die Mehrdeutigkeit ihrer Eigenschaften aufmerksam: Er verändert ihren Zustand beispielsweise durch Farbe, Feuer, Wachs oder Spiegelungen nicht nur formal, sondern ebenso in ihrer Bedeutung. Den Werken liegt so stets eine intrinsische Wandelbarkeit zugrunde, die zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren, dem Vergangenen und Beständigen oszilliert.
Marlene Bürgi