Es sind grosse Themen, die Martina-Sofie Wildberger interessieren. Dabei treten Gender-Aspekte in ihren Arbeiten zunehmend in den Hintergrund und die Performances drehen sich vermehrt um medienspezifische Fragen. Das Verhältnis von Akteur und Zuschauer, auch: von aktivem und passivem Part, ist dabei von entscheidender Bedeutung. Etwa dann, wenn die Künstlerin in Schönes Rot oder die Kritik der ästhetischen Urteilskraft (2009) im Basler Museum für Gegenwartskunst aus Immanuel Kants Standardwerk liest; inmitten der Ausstellung auf dem Boden sich räkelnd, Posen aus dem Pirelli-Kalender imitierend. Die sexuelle Konnotation der Performance und die gleichzeitige intellektuelle Überforderung, die ein Kant-Vortrag in einem solchen Moment zwingend bedeuten muss, reflektieren die passive Betrachter-Rolle der Besucher und den gleichzeitigen geistigen Anspruch, den ein Museumsbesuch in der allgemeinen Auffassung darstellt. – Reto Thüring