Der konsequente Verzicht von Niklaus Wenger, seinen Skulpturen und Installationen mit «fremden» Werkstoffen oder Hilfsmitteln zusätzlichen Halt zu verleihen, beeinflusst die Rezeption massgeblich. Alle Elemente sind alleine durch Verkeilung, Aufeinanderlegen, gegenseitiges Abstützen oder, wie in seiner neusten Arbeit, durch Magnetismus in einen stabilen Zustand zueinander gebracht. Eine solche Vorgehensweise bedingt eine Statik, die stets auch den Zusammenbruch mitdenkt und eben deshalb die «Katastrophe» jeglicher negativen Konnotation beraubt. Die Verwundbarkeit der Objekte ist ebenso dafür verantwortlich, dass der Betrachter zum sinngebenden Teil der Arbeit wird, wie die Tatsache, dass er offenkundig dazu angehalten ist, nach den «Regeln» des Zusammenhalts und nach den wechselseitigen Bedingungen der einzelnen Elemente zu- und untereinander zu suchen. Es ist das eigentliche Vordringen zum Skelett der Werke, das erst den Sinn für deren umfassende Struktur erkennen lässt. Das Skelett ist dabei einmal deutlich erkennbar, ein anderes Mal ist es durch das Spiel mit dem Material oder schlicht durch die Komplexität des Aufbaus bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert. Damit verlagert sich die Annäherung an die Arbeiten in einer ersten Phase ganz auf deren physische Präsenz; die Geschlossenheit der Figur als ein Ganzes, die Verkeilung der einzelnen Teile ineinander, lenken den Blick auf die konstitutiven (Einzel-)Elemente, die eben erst im kreativen Zusammenspiel ihre Sinn- und Zweckhaftigkeit vermitteln. In einem zweiten Schritt wandert der Blick zurück zur Gesamtansicht, und mit dem Wissen um die Funktionsweisen und den «inneren» Zusammenhalt der Skulpturen und Installationen erschliesst sich auch die Poetik ihrer umfassenden Erscheinung. – Reto Thüring