Bedeutung schaffen mit einer Form, einer Geste oder einer Assoziation. Angela Werlen arbeitet oft mit gefundenen Materialien: Objekte, Fotos, Texte und andere Elemente sind in kleinformatigen Werken integriert und umgesetzt. Sie wählt Sachen aus dem Alltag, bringt sie zusammen - mit einer Aufmerksamkeit für die Details, die man kaum wahrnimmt; anstatt von Intuition zu sprechen, zieht sie vor zu sagen, dass sie Eindrücke sammelt.
Ihre Werke bewahren, manchmal auf nur leichte Weise, die Erinnerung der verschiedenen Kontexte, die sie ausgelöst haben - z.B. eine Reise, die Entdeckung einer Fotoserie auf dem Flohmarkt, Vorgaben nach welchen ihre Freunde ihr Objekte übergeben haben. Diese oft vernachlässigten - da zu banalen oder überholten - Materialien gehen durch einen 'Filter der Subjektivierung' durch die Künstlerin, die sie auswertet, um schliesslich nur einige Details zu behalten.
Ob auf Papier oder in dreidimensionaler Form, die Werke von Angela Werlen funktionieren als Collagen: die Montage und Überlagerung von Motiven, Materialien, Dokumenten, Texten oder Zeichnungen operieren auf verschiedenen Bedeutungsebenen. In diesem Prozess bietet die Zeichnung oft die Möglichkeit, Elemente zu betonen und Verbindungen zu schaffen. Die Geste der Künstlerin ist sorgfältig, dehnt sich aus und lässt sich Zeit; manchmal benützt sie Faden oder Garn, welche die Zeichnungsgeste zusätzlich verlangsamen und verdichten.
Dadurch werden ihre fragilen und bescheidenen Werke Träger einer Reflexion über das Erinnern, seiner Konstruktion und der Art und Weise, in der sich dieses an banalen Elementen des Alltäglichen festmachen lässt - ein bisschen wie im Traum. Als Installation präsentiert können sie wie visuelle Gedichte gelesen werden: Nebeneinander und zwischeneinander entstehen Assoziationen, stille Dialoge, mögliche Erzählungen. – Isaline Vuille