Mia Sanchez

Plattform2020

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Naked City, Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Ausstellungsansicht / vue de l'exposition Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Naked City, Plattform20, 2020
© Guillaume Python_Fri Art 2020

Stell Dir eine Stadt vor. Eine moderne Stadt, mit neuesten Technologien in Entwicklung, immer kühneren Architekturen in der Vorbereitung und das Auge schwebt über immer höhere Skylines. Die Stadt ist riesig und überfüllt, acht Millionen Menschen mit acht Millionen Geschichten zu erzählen. Im Schimmern der künstlichen Beleuchtung kann man sie alle ausspähen, sie nachts verfolgen, wenn sie durch die dunklen Gassen kriechen, auf der Suche nach dem perfekten Versteck für irgendeine kompromittierende Untat, die es zu verbergen gilt. Ihr Dahintreiben lenkt Deinen Blick durch die imaginäre Stadt und zieht Leitlinien über ihre geheimen Netzwerke. In der Zwischenzeit lauern Privatermittlerinnen undercover im Schatten verrauchter Bars auf der Suche nach Hinweisen. Polizeisirenen heulen durch die Strassen, erwartet von gefrässigen Schwärmen von mit Kameras bewaffneten Nachtschwärmerinnen. Von der Hartnäckigkeit der Gesetzeshüterinnen und Journalistinnen entkleidet, steht die Stadt nackt da und zeigt alles ausser der gebildeten Urbanität, die man erwartet. Entkleidet von elektrischem Licht, das sie heller macht und ihre Geheimnisse enthüllt, steht die Stadt nackt da und vereinfacht dem indiskreten Auge die Kartierung. Ihr Kreislaufsystem, freigelegt, wird zur perfekten Bühne für die Aufklärung eines mysteriösen Mordes, ihre Strassenlaternen zu perfekten Scheinwerfern an Tatorten. Die Stadt selbst wird zu einem defekten Werkzeug in den Händen der neugeborenen Kontrollgesellschaft, während sie gleichzeitig Schauplatz einer Detektivgeschichte ist. Die konzeptuelle Anordnung, die Mia Sanchez basierend auf einem persönlichen Driften durch ihre eigene urbane Umgebung konzipiert hat, führt uns in das schlagende Herz der nackten Stadt und füllt unseren Mund mit noiren, spekulativen, kinematografischen Aromen. Die erzählerische Praxis, welche die jüngste Produktion der Künstlerin charakterisiert, wird hier bis auf die Knochen abgestreift und in die Abstraktion überführt. Mia Sanchez gibt Dir einen Anhaltspunkt, zeigt auf eine Spur, der Du nachgehen kannst, und lädt Dich ein, eine Rolle zu spielen, ohne anzugeben, welche. Du kannst die Detektivin, das Opfer, der Nachtwandlerin oder eine Verbrecher*in sein. Vielleicht alle, der Reihe nach.

Camilla Paolino
Übersetzung: Deborah Müller