In der Diplomausstellung in der Kunsthalle Basel zeigte er zehn vorder- und rückseitig bemalte Holztafeln unterschiedlicher Grösse, die ein Momentum in seinem Malprozess einfingen – die Holztafeln hätten bereits im nächsten Augenblick wieder von ihrer Halterung genommen und im Atelier übermalt, erweitert oder verworfen werden können. Die Bildfindung, die sich in einem geschlossenen Gemälde meist nur anhand von Malspuren nachvollziehen lässt, wird bei Matthias Huber zum Bildinhalt gemacht. In einem abstrakt malerischen Gestus werden Formen gefunden, verfolgt oder verändert, wobei die Farbgebung als Formelement eingesetzt wird.
In seiner Arbeit untersucht Huber auch die Grenzen verständlicher Darstellungsmöglichkeiten. Eine Broschüre, die zur Vermeidung von Einbrüchen beitragen sollte, kehrt sich so durch das Weglassen des Textes in eine Anleitung um, die nur noch stumm die Bilder dafür zeigt (La Protection de la Maison, 2012). Die sinnstiftende Wort- und Bildkonstellation wird aufgebrochen, separiert und neu aufgelistet ad absurdum geführt. Für 50 Places (2010) ordnete Huber die in einer Schachtel im Brockenhaus zurückgelassenen und mit Ländern beschrifteten Papierstreifen akribisch alphabetisch an. So kam «Afrika» neben «Algerien» und «Bali» zu liegen. Seit 2011 sammelt Huber abgefallene Bruchstücke von Kunstwerken anderer Künstler, die er in Ausstellungsräumen gefunden hat. Jedes Teilchen erhält ein eigenes, wiederverschliessbares Plastiktütchen, das auf einem Etikett dessen Fundort, zugehöriges Kunstwerk und Beschreibung trägt. Würde man all diese Fragmente zusammenfügen, ergäben sie dann eine Meta-Skulptur? – Jeannette Weissww.matthias-huber.ch