Das Werk von Marco Baltisberger ist in der Welt der Klänge zu verorten. Frühere Arbeiten entstanden oft performativ und in Zusammenarbeit mit seinem Künstlerkollegen Timo Ullmann, wobei sie sich einer Vielzahl von Instrumentarien bedienten. Neben Mikrofonen und Gitarre kamen auch unkonventionelle Klangerzeuger zum Einsatz. So war eine Favta Darling-Nähmaschine aus den 1960er Jahren der Star seiner 2011 aufgeführten Performance Darling. Auf ihr ‹spielend› erzeugte Marco mit Hilfe von Tonabnehmer und Mischpult ungewöhnliche Geräusche und Klänge, welche er via Internet zu seinem Kollegen nach Madrid schickte, der diese wiederum mit Effekten belegte und sie zurück sandte.
Seit rund zwei Jahren werden die Arbeiten von Marco Baltisberger zusehends abstrakter und reduzierter. Während er früher mit einer möglichst grossen Anzahl von Tönen und Instrumenten arbeitete, um einen breiten Klangteppich zu erzeugen, so steht in den jüngsten Werken die Qualität einzelner Klänge im Vordergrund. Gleichzeitig entwickelte er eine zusehends minimalistische Formsprache für seine Installationen. Ganz in der Tradition der Kunst der frühen 1960er Jahre spielt der Raum, in dem sich die Instrumente befinden, eine entscheidende Rolle. Sein Interesse, die Arbeiten im Kontext der Kunst und des Ausstellungbetriebs zu präsentieren, gründet vor allem in der Faszination für Objekte, Körper und Instrumente. Die Kunst erlaubt es ihm, sich intensiv mit einem einzigen Klang zu beschäftigen, in grösseren Dimensionen zu denken und die Ergebnisse in einem schier endlosen Konzert – der Ausstellung – zu zeigen. – Claudio Vogt