Mittelpunkt der für Plattform20 entstandenen Installation von James Bantone bildet ein schwarzes Sofa, auf dessen ledernen Sitzen sich eine intime Situation zwischen zwei Figuren – die eine sitzend, die andere vor ihm tanzend – beobachten lässt. Ihre in wärmeisolierende Neoprenanzüge und lederne Handschuhe und Stiefel gehüllten Körper referieren auf den androgynen Charakter HIM aus der amerikanischen Kultserie Power Puff Girls, der darin als Antagonist und flamboyanter Bösewicht auftritt. Was in der Serie kategorisch konstituiert wird (Richtig und Falsch, Gut und Böse), schreibt sich in der Installation als neues Narrativ ein: Die Identität des zerstörungswütenden Teufels wird nicht mehr in der Negation seiner Gegnerinnen sondern in der Begegnung seiner Selbst definiert und dabei in ein neues Selbstverhältnis überführt. Losgelöst von kulturellen Markierungen, werden so die mit sexueller Energie und verletzlicher Offenheit vibrierenden Körper zum Vehikel für eine kritische Neuartikulierung des eigenen Selbstverständnisses. Die sie umhüllenden Kleidungsstücke lesen sich dabei als Spuren einer emanzipatorischen Bestimmung und verdichten sich, teils Schutz, teils Ausdrucksmittel, zu einer fragmentarischen Neuanordnung. Autobiografisches und Fiktives werden referiert, neu kombiniert und tradierte Zuschreibungen dekonstruiert, um Gesten und Körpertechniken jenseits einer heteronormativen Logik zu erforschen. Dass dabei fiktionalisierte Erzählungen und popkulturelle Referenzen Seite an Seite mit persönlichen Erfahrungen treten, äussert sich auch in der latenten Präsenz des Künstlers, die oft in Referenz über seine Person oder Arbeit als Autor und Produzent indexikalisch in in seinen Arbeiten auftritt. Ähnlich der Beschaffenheit digitaler Räume klingt in der Verschränkung von Autobiografischem und Fiktivem klingt somit ein transformatorisches Potenzial an, das Vorstellungen von Akzeptanz und Normativität konfrontiert und zeigt, dass das Geschlecht in keinster Weise eine stabile Identität ist, sondern in einer stilisierten Wiederholung von Handlungen, körperlichen Gesten und Inszenierungen eingeführt wird.
Céline Matter