Lourenço Soares

Plattform2022

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Moritz (redrawn with permission from original artwork by Esther Premru), flipcharts (cars, dinosaurs, free markets), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

Moritz (redrawn with permission from original artwork by Esther Premru), flipcharts (cars, dinosaurs, free markets), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

flipcharts (cars, dinosaurs, free markets) - 3. a live monster that is fruitful and multiplies (consumer is king), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

flipcharts (cars, dinosaurs, free markets) - 3. a live monster that is fruitful and multiplies (consumer is king), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

flipcharts (cars, dinosaurs, free markets) - 1. virtuous cycles of prosperity (intake, compression, combustion, and exhaust), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

flipcharts (cars, dinosaurs, free markets) - 1. virtuous cycles of prosperity (intake, compression, combustion, and exhaust), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

flipcharts (cars, dinosaurs, free markets), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

flipcharts (cars, dinosaurs, free markets), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

Was ist der gemeinsame Nenner zwischen einem Auto, einem Dinosaurier, Männlichkeit und dem Buch Kapitalismus und Freiheit?

Die Praxis von Lourenço Soares ist eine Praxis der Forschung mit den Mitteln der Kunst. Eine Forschung über die Syntax, Formen und Ökologien des Wissens. Es handelt sich um eine Arbeit der De/monstration, wobei seine Projekte oft eine Methodologie der Modellanalyse aus den sogenannten harten Wissenschaften übernehmen. Für Plattform22 entwickelte Lourenço Soares eine Installation, mit einem Wandbild und vier ikonologischen Tafeln, die aus handgezeichneten Bildern aus wissenschaftlichen oder pädagogischen Publikationen stammen. Es handelt sich um eine Übung in Montage und Analogie, deren Methodik derjenigen ähnelt, die Aby Warburg mit dem Bilderatlas Mnemosyne entwickelt hat: ein Versuch, die Gegenwart zu lesen, indem wir uns von den Kategorien und Rastern der traditionellen Geschichtsschreibung befreien. Die Tafeln widersetzen sich einerseits dem visuellen Paradigma der Darstellung einer Geschichte, die durch das Bild selbst kanonisiert wurde, und andererseits dem epistemologischen Paradigma des Wissens – einer Form des Wissens, die zu unwandelbaren Ideen und Konzepten tendiert.

Im Einklang mit kritischen Theorien trägt das Werk dazu bei, die Integrität von Bildern zu untergraben, die weiterhin als dominante und definierende Prinzipien einer Epoche gelten. Indem Soares die Geschichte durch Analogien rekonstruiert, schlägt er einen neuen Zugang zur Welt in der Gegenwart vor. In Flipcharts (cars, dinosaurs, free markets) wendet sich Soares gegen eine chronologische, territoriale und disziplinäre Lesart der Zeitgeschichte, welche Fakten ohne Durchlässigkeit periodisiert und kategorisiert. Indem er sich erlaubt, die konstitutiven Elemente der Geschichte zu erweitern und eine Genealogie zwischen Personen und Orten zu schaffen, die nicht von vornherein miteinander verbunden sind, untergräbt er die Voreingenommenheit einer essenzialisierenden und standardisierenden Lesart, um ein bewegtes Verständnis des sozialen Phänomens des aufkommenden Neoliberalismus vorzulegen.

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Lourenço Soares bringt das Phänomen des Massensterbens mit einer Masse von Verbrauchern in Verbindung, die sich nicht bewusst sind, im Interesse eines Massenkapitalismus zu handeln und keine Aussicht auf Auslöschung hat. In Anlehnung an eine Marx zugeschriebene Formulierung stellt der Künstler den Kapitalismus als ein Monster mit unstillbarem Appetit dar, das allem, was es berührt, Energie entzieht. Sein Tyrannosaurus Rex – König der Tyrannenechsen – steht für dieses Monsterkapital und wird mit dem von Friedman verteidigten Konsumkönig der "freien Welt" in Verbindung gebracht.

Übersetzung: Plattform team

Photo credits: Guadalupe Ruiz