Seit etwa einem Jahr kreist Liza Trottets künstlerisches Interesse um zwei zentrale Fragen: jene nach der persönlichen Lebenswelt und jene nach der eigenen Familiengeschichte. Anlässlich ihrer Diplomausstellung hat sie in einer weiträumigen Industriehalle vier grosse, leere Plastikkisten hingestellt. Die Kisten, die eigentlich für den Transport und die Aufbewahrung von Gemüse und Früchten Verwendung finden, waren mit einer halbdurchsichtigen Plastikfolie zugedeckt. Was aussah wie eine Fortführung von Duchamps Idee eines Ready Made – wobei unklar blieb, ob die Kisten tatsächlich zur Ausstellung gehörten und also Kunst waren, oder ob sie nicht vielleicht aus anderen Gründen in der Ausstellungshalle herumstanden – war eigentlich ein Verweis auf Trottets eigenen familiären Hintergrund. Liza Trottets Vater ist Obstbauer, er baut vor allem Äpfel an. Das Familienunternehmen führte bereits ihr Grossvater und vor diesem auch dessen Vater. In einer anderen Ecke der Halle lehnte an die Wand gelehnt und auf dem Boden ausgebreitet die Wohnung der Künstlerin – zerlegt in Einzelteile, ausgeschnitten aus Karton und als Holzbalken, die Höhe, Breite und Tiefe des Wohnraums angaben.
Trotz ihrer Verweisfunktion können die Arbeiten auch auf einer weniger persönlichen, wenn man so will: formaleren Ebene gelesen werden. Im Kontext einer Kunstausstellung wird der Betrachter mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz konfrontiert. In welchen räumlichen Verhältnissen spielt sich ein Grossteil unseres Privatlebens ab? Welchen Bezug haben wir (noch) zu den Dingen, die wir konsumieren beziehungsweise bewohnen? Was brauchen wir um zu leben? Dann tritt das persönliche Gedächtnis der Künstlerin in den Hintergrund und schwingt nur noch als Resonanzraum leise mit.– Reto Thüring