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Lena Amuat und Zoë Meyer zeigen Modelle: Modelle, die veranschaulichen, dokumentieren, repräsentieren und interpretieren. In ihrem stetig anwachsenden Bildarchiv treten neben Fotografien von traditionellen musealen Ausstellungsobjekten wie Gipsabgüssen oder Tierpräparaten besonders Abbildungen kurioser Figuren hervor, die gleichzeitig irritieren und faszinieren. Es handelt sich um Objekte, welche die beiden Künstlerinnen während akribischen Recherchearbeiten in kunst- und kulturhistorischen, naturwissenschaftlichen und anthropologischen Sammlungen aufspüren, sorgfältig inszenieren und fotografieren. Der daraus entstandene Fundus an Bildern dient ihnen als Arbeitsmaterial für ihre raumgreifenden Installationen, welche bestehende Ausstellungsdispositive hinterfragen und neue Präsentationsformen erproben.
Es sind also nicht die ursprünglich für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse gedachten und für Laien oft unverständlichen Gegenstände allein, mit welchen sich der Betrachter in den Werken auseinanderzusetzen hat. Faszinierend sind ebenso die unterschiedlichen Sichtweisen, die durch die gestalterischen Eingriffe der Künstlerinnen thematisiert werden. Die einzelnen Werkaufnahmen, bei denen nicht eindeutig ist, ob – und wie – sie nachträglich manipuliert sind, werden dabei Teil eines grösseren Referenzsystems.
Die Fotografien, meist eingefasst in handgefertigte Rahmen, werden gehängt, direkt an die Wand gelehnt oder auf Sockel und Leisten gestellt. Darüber hinaus verwenden die Künstlerinnen Tapeten und raumgreifende Elemente wie Paravents. Die im architektonischen Kontext des jeweiligen Ausstellungsorts entstehenden Installationen werfen damit die Frage auf, inwiefern das Zeigen und Sichtbarmachen von Werken Inhalte neu definiert und wie Bedeutung in Abhängigkeit zu formal-ästhetischen Entscheidungen generiert wird.
Die Wechselbeziehung zwischen wissenschaftlichem Anspruch, Fiktion, dokumentarischem Gehalt und gestalterischer Freiheit ist von Beginn an Programm im Werk von Lena Amuat und Zoë Meyer. Dieses Spannungsverhältnis möchten die Künstlerinnen in der Folge nicht auflösen, sondern als labilen, den Objekten und Bildern innewohnenden Zustand bewahren. – Jasmin Sumpf