Annette Amberg

Plattform2008

Previous
Next
Sensation (Interwoven Strings connecting the Unheard with the Unknown),
Plattform08, 2008

Sensation (Interwoven Strings connecting the Unheard with the Unknown),
Plattform08, 2008

The Spectator, (Still), 2007

The Spectator, (Still), 2007

The Spectator, (Still), 2007

The Spectator, (Still), 2007

Sensation (Interwoven Strings connecting the Unheard with the Unknown),
Plattform08, 2008

Sensation (Interwoven Strings connecting the Unheard with the Unknown),
Plattform08, 2008

Fragmente von Situationen, verschwommenen Erinnerungen ähnlich. Der Moment zwischen Nachdenken und sich (nicht) erinnern. Einstiche von Nadeln in einer Pinnwand, Spuren von Geschichten und Ereignissen. Die Arbeiten von Annette Amberg befassen sich mit Zwischenräumen. In ihrem Diplomfilm The Spectator (2007) tastet sich die Kamera in einer langsamen Kreisfahrt an ihre Motive heran. Mal zeigt sie das Publikum im Theatersaal, mal einen Zauberer mit seiner Assistentin auf der Bühne, ein Sinnbild für die filmische Illusion des bewegten Bildes. Dazwischen schieben sich immer wieder dunkle Flächen ins Bild, „schwarze Löcher", die nicht nur die räumlichen Unterbrüche zwischen Zuschauerraum und Bühne schlucken, sondern auch zeitliche Verschiebungen markieren. Diese Momente im Off bilden einen Bruch, indem sie Handlungen auslassen, aber auch in der Zeitlichkeit vor- und zurückspringen. Der Akt des Zuschauens, der im Film thematisiert wird, spiegelt sich in der visuellen Erfahrung des Betrachters wider. Während sich die Kamera einer einzelnen Figur immer mehr nähert, bis nur noch diese in Grossaufnahme sichtbar bleibt, verweben sich die Rollen von Zuschauer und Akteur. Die kontinuierliche Bewegung der Kamera und ein beunruhigend dumpfer Ton, der im Off noch verstärkt wird, kontrastieren mit der gewählten Erzähltechnik der Ellipse. Die Handlung ist spürbar, jedoch nicht eindeutig zu erkennen: sie findet woanders statt, dort, wo die Kamera gerade nicht hinschaut. Durch den Spannungsaufbau spielt der Film mit Erwartungshaltungen; am Ende klatscht das Publikum, ohne dass der Betrachter die eigentliche Handlung, den Zaubertrick, je gesehen hätte. Mit grossem Gespür für fotografische Kompositionen tastet sich Annette Amberg an die Zwischenmomente heran, die eine Erzählung überhaupt erst ausmachen. Sie überlässt es dem Betrachter, die visuellen Eindrücke, Verweise und subjektiven Erinnerungsfragmente zu möglichen Geschichten zusammen zu setzen.

 – Charlotte Matter